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Vorhofflimmern: neue Behandlungsempfehlungen veröffentlicht

Vorhofflimmern ist eine Volkskrankheit – mit steigender Prävalenz. Nun wurden im Rahmen einer S3-Leitlinie neue Behandlungsempfehlungen veröffentlicht.

Volkskrankheit Vorhofflimmern

Aufgrund der demographischen Entwicklung haben immer mehr Menschen Vorhofflimmern (AF): In Deutschland sind Prof. Dr. med. Stephan Willems, Hamburg, zufolge etwa 1,6 Millionen Einwohner und damit ca. 2% der Bevölkerung betroffen. Innerhalb der nächsten 50 Jahre wird mit einer Verdoppelung der Prävalenz gerechnet, heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

AF ist nicht nur die häufigste Form anhaltender Herzrhythmusstörungen, sondern auch mit einer erheblichen Morbidität verbunden.

Bleibt Vorhofflimmern unerkannt, drohen Schlaganfall und Herzbeschwerden. Im Sinne eines ganzheitlichen therapeutischen Ansatzes mit einem differenzierten, individuellen Management wurde nun eine AWMF-S3-Leitlinie verfasst.

Risikoadaptiertes Screening

Übergewicht, Hypertonie, Diabetes mellitus, Schlafapnoe und körperliche Inaktivität sind Risikofaktoren für Vorhofflimmern. Daher nehmen Lebensstil-assoziierte Maßnahmen einen wichtigen Teil der Leitlinie ein.

Eine späte Diagnose und verzögerte Behandlung können zu (vermeidbaren) Schlaganfällen, Herzinsuffizienz und kardiovaskulären Todesfällen führen. In der Leitlinie wird ein risikoadaptiertes Screening empfohlen. Um bislang unerkanntes Vorhofflimmern mit hoher Last zu erkennen, sollen Menschen ab 75 Jahren und/oder mit erhöhtem Schlaganfallrisiko mindestens einmal mittels EKG untersucht werden. AF-Screenings für die gesamte Altersgruppe reduzierten allerdings Schlaganfälle weniger stark als erwartet, heißt es in der DGK-Pressemitteilung. Ein Grund könnte sein, dass nur etwa die Hälfte der kontaktierten Personen in den geprüften Programmen ihre Einladungen zum Screening angenommen hatten.

Individuelle Schlaganfallprophylaxe

Im Einklang mit der ESC-Leitlinie Vorhofflimmern von 2024 wurde der CHA2DS2-VA-Score für die Ermittlung des Schlaganfallrisikos eingeführt. Im Gegensatz zu internationalen Leitlinien gibt es für die Schlaganfallprophylaxe durch orale Antikoagulation jedoch mehr individuellen Spielraum. Da die Adhärenz bei Unsicherheit oder Unwissenheit über Nutzen und Risiko eher niedrig ist, empfiehlt die Leitliniengruppe, Patienten in die Entscheidungsfindung für oder gegen eine orale Antikoagulation (DOAK) aktiv einzubeziehen. Ob Vitamin-K-Antagonisten (VKA) oder DOAK eingesetzt werden, soll individuell entschieden werden. Dabei sollen Komorbidität, Lebensumstände und Anwendungsbeschränkungen mitberücksichtigt werden.

Hintergrund ist, dass DOAK zwar besser handhabbar und mit weniger Blutungen verbunden sind, doch Real-World-Daten zufolge Phenprocoumon möglicherweise besser vor kardiovaskulären Ereignissen schützen könnte.

Vorhofflimmern als Kontinuum

In der Leitlinie wird der Einsatz der Katheterablation bei paroxsymalem und persistierendem AF sowie wie bei zugrundeliegender Herzinsuffizienz gestärkt. Eine frühe und effektive Rhythmuskontrolle soll bei allen Patienten mit neu diagnostiziertem AF geprüft werden.

Im Gegensatz zur ESC differenzieren wir nicht so strikt zwischen paroxsymalem und persistierendem AF. Die Übergänge sind fließend, daher betrachten wir das AF als Kontinuum.

Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz können sich gegenseitig begünstigen. Für Betroffene mit schwerer Herzinsuffizienz empfiehlt die S3-Leitlinie daher, neben der leitliniengerechten Herzinsuffizienz-Therapie auch eine rhythmuskontrollierende Therapie zu erwägen. Je nach Eignung wird auch hier eine Katheterablation des AF empfohlen.

Eine Pocket-Leitlinie für die Kitteltasche ist bereits in Arbeit.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. S3-Leitlinie Vorhofflimmern – Version 1. https://www.awmf.org (PDF).
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK). Neue interdisziplinäre Behandlungsempfehlungen für Volkskrankheit Vorhofflimmern. Pressemitteilung vom 26. Mai 2025.

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