Reality-TV ist ein beliebtes Abendprogramm in unserer Gesellschaft. Doch wie wirkt sich der Konsum auf unsere Selbstwahrnehmung aus? Forschende aus Deutschland haben den Einfluss der Model-Castingshow Germany’s Next Topmodel auf die psychische Gesundheit von Frauen mit und ohne Essstörungen untersucht.
Wenn es schwerfällt, den eigenen Körper zu lieben
Viele Menschen erleben das Gefühl von Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Diese Unzufriedenheit wird beispielweise von den aktuellen Schönheitsidealen – stark präsent in sozialen Medien und TV-Shows – beeinflusst. Durch diese Einflüsse im Zusammenspiel mit negativen Empfindungen können sich verschiedene Essstörungen (ES) ausbilden, weshalb das Bewusstsein über eine körperliche Unzufriedenheit sowohl als psychopathologisches Merkmal als auch als mögliches Anzeichen für die Entstehung von ES wichtig ist.
In einer Studie untersuchten Forschende den Einfluss der Reality-TV-Castingshow Germany’s Next Topmodel (GNTM) auf die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, die Empfindungen und das Selbstwertgefühl bei Frauen mit und ohne ES.
Von der Couch in die Studie
In die Auswertung der Verlaufsstudie wurden die Daten von 143 Frauen ohne und 36 Frauen mit selbstberichteten ES einbezogen, die mindestens die Hälfte der Folgen der 18. Staffel von GNTM gesehen hatten. Die Teilnehmerinnen, die zwischen 18 und 52 Jahren alt waren, konsumierten die Folgen im gewohnten privaten Umfeld, um die Datenvalidität zu verbessern, und füllten jeweils vor Beginn der Folge sowie nach dem Fotoshooting und nach dem Ende der Folge Fragebögen aus. Mittels der Fragebögen wurden Daten zu der Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, zur Diskrepanz zwischen der natürlichen Entwicklung des Körpers und dem eigenen Körperideal, zu den Empfindungen und zum Selbstwertgefühl erhoben.
Die eingeschlossenen ES umfassten Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge-Eating und nicht näher spezifizierte ES. Ausschlusskriterien waren eine laufende stationäre Behandlung, akute Suizidgedanken, akuter Substanzmissbrauch sowie bipolare, psychotische und Borderline-Störungen.
Nach Ansehen einer Folge zeigten Frauen mit ES einen signifikant höheren Anstieg der Körperunzufriedenheit, der Diskrepanz und der negativen Empfindungen, im Vergleich zu Frauen ohne ES. Dennoch machte sich auch bei Frauen ohne ES eine erhöhte Körperunzufriedenheit bemerkbar. Ein anhaltender Effekt über die gesamte Staffel hinweg ergab sich für Diskrepanz zwischen dem eigenen Körper und dem persönlichen Körperideal bei Frauen mit selbstberichteten ES. Entsprechend wich das Körperideal von Frauen mit ES mit jeder Folge weiter vom eigenen Körper ab.
Evidenz noch ausbaufähig
Als mögliche Ursache dieser Effekte kommt der ständige Vergleich der Zuschauer mit den Teilnehmenden der TV-Show infrage, durch den sich die eigenen Idealvorstellungen verändern können. Dabei sind auf Grundlage der Studienergebnisse Frauen mit ES anfälliger für dieses Phänomen.
Eingeschränkt ist die Aussagekraft der Studienergebnisse unter anderem durch die fehlende Differenzierung zwischen verschiedenen ES-Formen und die Begrenzung auf die deutsche Version der Modelshow. Darüber hinaus besteht die Hauptzielgruppe von GNTM aus jugendlichen Mädchen, die in der Studie jedoch nicht zur Teilnehmergruppe zählten.
Wie sollten wir damit umgehen?
Die Forschenden führen an, dass TV-Modelshows möglicherweise einen negativen psychologischen Einfluss auf Frauen haben, besonders auf jene, die unter ES leiden. Entsprechend sollten insbesondere die Risikogruppen bezüglich der möglichen nachteiligen Effekte durch den Konsum solcher TV-Shows sensibilisiert werden, um eine kritische Distanz zu den Inhalten der Shows zu schaffen. Die verschiedenen verfügbaren evidenzbasierten Programme zur Prävention von Essstörungen können dabei unterstützen.
Quelle
Holtmann FJ, et al. Assessing the impact of a reality tv fashion model contest on women’s state body dissatisfaction, affect, and self-esteem: an experience sampling study of women with and without eating disorders. Eur Eat Disord Rev 2025. doi: 10.1002/erv.3185.
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