Antimikrobielle Resistenzen weiterhin globale Bedrohung

Dass antimikrobielle Resistenzen ein großes Gesundheitsproblem darstellen, ist weitgehend bekannt. In einer aktuellen Studie wurde gezeigt, wie viele Todesfälle sie in den letzten 30 Jahre hervorgerufen haben und wie die Prognose für die nächsten 30 Jahre aussieht.

AMR als eine der größten globalen Bedrohungen

Bereits im Jahr 2016 sagten die Autoren eines Reviews voraus, dass die Zahl der Toten durch antimikrobielle Resistenzen (AMR) bis 2050 weltweit auf 10 Millionen/Jahr steigen wird . Im Jahr 2019 erklärte die WHO AMR dann zu einer der größten globalen Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit. In einer aktuellen Studie des Global Burden of Disease (GBD) wurde die bakterielle AMR-Mortalität der letzten dreißig Jahre unter die Lupe genommen und erneut eine Prognose für 2050 getroffen. Eingeschlossen in die Analyse wurden 204 Länder bzw. Regionen. Die Datenerhebung erfolgte für die Jahre 1990 bis 2021.

Über acht Millionen AMR-assoziierte Todesfälle/Jahr bis 2050 erwartet

Für das Jahr 2021 bestimmten die Autoren insgesamt 4,71 Millionen Todesfälle, die mit bakterieller AMR in Verbindung standen. Verglichen mit dem Jahr 1990 waren essenzielle Unterschiede bezüglich des Alters der Betroffenen messbar: Während die durch AMR hervorgerufene Tode bei Kinder unter fünf Jahren von 1990 bis 2021 um mehr als 50% abnahm, war bei Patienten ab 70 Jahren eine Zunahme von über 80% nachweisbar.

Bei Betrachtung einzelner Bakterienstämme, war die größte Steigerung für Todesfälle durch Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) messbar (261.000 AMR-assoziierte Todesfälle in 1990 vs. 550.000 in 2021). Bezogen auf Gram-negative Bakterien wurde die größte Steigerung für Carbapenem-Resistenz-assoziierte Todesfälle gemessen, verglichen mit allen weiteren Antibiotikaklassen (619.000 assoziierte Todesfälle in 1990 vs. 1,03 Millionen in 2021).

Die sinkenden Todesfälle bei den unter 5-Jährigen sehen die Autoren unter anderem in der Abnahme resistenter S. pneumoniae und Bemühungen um flächendeckende Impfungen begründet. Für die Zunahme AMR-bedingter Todesfälle bei Personen ab 70 Jahren führen die Autoren beispielsweise die geringere Effektivität von Impfungen auf. Auch das häufigere Auftreten von Begleiterkrankungen bei älteren Patienten spiele eine wichtige Rolle, so die Autoren. Nicht zuletzt ist diese Altersgruppe stark wachsend, weshalb auch die Zahl der Todesfälle zunimmt.

Für das Jahr 2050 gehen die Autoren entsprechend eines Vorhersagemodells von etwa 8,22 Millionen Todesfällen aus, die in Verbindung mit AMR stehen.

Aufklärung gefordert

Die Zahl der (voraussichtlichen) AMR-bedingten Todesfälle im Jahr 2050 liegt etwas unter den 10 Millionen, die im Review aus dem Jahr 2016 angegeben werden und die auch die WHO angibt. Dennoch stellen 8,22 Millionen Todesfälle eine erwähnenswerte Steigerung gegenüber den 4,7 Millionen im Jahr 2021 dar. In einer Pressemitteilung von Pharma Deutschland, anlässlich des 17. Europäischen Antibiotikatags 2024, wurde die Thematik ebenfalls aufgegriffen und auf eine bessere Aufklärung der Bevölkerung hingewiesen. Warum das notwendig ist, zeigt unter anderem eine aktuelle Befragung, die im Auftrag des Verbandes durchgeführt wurde. Demnach wissen nur 38% der 18- bis 29-Jährigen, dass Antibiotika ausschließlich bei bakteriellen Infektionen wirken. Dr. Elmar Kroth, stellvertretender Hauptgeschäftsführer von Pharma Deutschland betont:

Besonders besorgniserregend ist, dass fast die Hälfte der jungen Erwachsenen Antibiotika bei Erkältungen für wirksam hält – ein gefährlicher Irrtum.

Um die Wirksamkeit antimikrobieller Mittel zu erhalten, ist neben der Infektionsverhinderung (z.B. durch Impfungen und Hygienemaßnahmen), Reduzierung unangemessener Verschreibung sowie Forschung und Entwicklung neuer Therapien daher auch die Sensibilisierung der Gesellschaft weiterhin gefragt.

Weltwoche für AMR-Bewusstsein
Die World AMR Awareness Week (WAAW) findet jährlich vom 18. bis zum 24. November statt. Sie ist eine globale Kampagne zur Bewusstseinsbildung und zum Verständnis von AMR und steht in diesem Jahr unter dem Motto „Aufklären. Aktiv werden. Jetzt handeln“.

 

Quellen

GBD 2021. Antimicrobial Resistance Collaborators. Global burden of bacterial antimicrobial resistance 1990-2021: a systematic analysis with forecasts to 2050. Lancet 2024;404:1199–226. doi: 10.1016/S0140-6736(24)01867-1.

Pharma Deutschland. Pressemitteilung vom 13. November 2024: Pharma Deutschland warnt: Bevölkerung besser über Antibiotika-Resistenzen aufklären.

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