Schaut man sich in Bürogebäuden um, sind höhenverstellbare Schreibtische mittlerweile etabliert. Das Ziel: den negativen Effekt von stundenlangem Sitzen durch Stehen minimieren. Doch scheint Stehen das kardiovaskuläre Risiko nicht wesentlich zu reduzieren, wie eine Untersuchung australischer Forscher zeigt.
Stehen verringert das kardiovaskuläre Risiko nicht
Bewiesen ist, dass durch lange Zeit im Sitzen das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen steigt. Stehen allein scheint jedoch keine ausreichende Strategie zur Verringerung des kardiovaskulären Risikos zu sein.
Wissenschaftler aus Australien werteten die Daten von 83013 Erwachsenen aus der UK Biobank aus und untersuchten die tägliche Zeit im Sitzen und Stehen sowie das Auftreten von kardiovaskulären oder orthovaskulären Erkrankungen. Sie beobachteten, dass mehr Zeit im Stehen zwar nicht mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden war, aber mit einem wesentlich höheren Risiko für orthostatische Erkrankungen einherging.
Orthostatische Erkrankungen: orthostatische Hypotonie, Krampfadern, chronische Veneninsuffizienz, venöse Ulzera
Stehen birgt Risiko für orthostatische Erkrankungen
Ab einer täglichen stationären Zeit (gesamte Zeit im Sitzen und Stehen) von zwölf Stunden stieg das Risiko für orthostatische Erkrankung mit jeder weiteren Stunde um 22%. Für die Zeit im Sitzen stieg ab zehn Stunden das Risiko mit jeder Stunde um 26%, im Stehen stieg das Risiko ab zwei Stunden mit jeder weiteren halben Stunde um 11%.
Das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen stieg für ab der stationär verbrachten Zeit von zwölf Stunden um 13% mit jeder weiteren Stunde. Für die Zeit im Sitzen stieg das Risiko ab zehn Stunden um 15% mit jeder weiteren Stunde. Verbrachte Zeit im Stehen war mit keinem kardiovaskulären Risiko verbunden.
Auch wenn die Zeit im Stehen keinen negativen Effekt auf das kardiovaskuläre Risiko hatte, konnte kein protektiver kardiovaskulärer Effekt durch das Stehen beobachtet werden.
Fehlende Bewegung als Ursache, körperliche Aktivität als Ausgleich
Betrachten man die beiden Haltungspositionen, unterscheiden sie sich vom Aktivitätsniveau nicht maßgeblich. In beiden Positionen findet nur eine geringe Muskelbewegung statt und der Energieaufwand für den Körper ist minimal. Durch die fehlende Muskelbewegung während der stationären Zeit wird der venöse Rückfluss vermindert, und es kommt zum venösen Rückstau und den bedingten Folgeerkrankungen.
Um Sport jeglicher Art als Ausgleich komme man also trotz höhenverstellbarem Schreibtisch nicht herum, schließen die Autoren.
Quelle
Ahmadi MN, et al. Device-measured stationary behaviour and cardiovascular and orthostatic circulatory disease incidence. Int J Epidemiol 2024;53(6):dyae136.
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