Der 29. September ist Tag der Endometriose, einer Erkrankung, die in den letzten Jahren gesellschaftlich und in der Fachöffentlichkeit an Aufmerksamkeit gewonnen hat. In einer aktuellen Analyse wurden die Inzidenzraten in Deutschland untersucht.
Ursache ungeklärt, Daten fehlen
Endometriose ist eine systemische chronische Erkrankung, die den Hormonhaushalt und das Immunsystem betrifft. Bei Betroffenen treten endometriumähnliche Zellverbände auch außerhalb der Gebärmutterhöhle auf, welche zu unspezifischen Symptomen führen, die zyklusabhängig und -unabhängig auftreten können. Die Pathogenese der Endometriose ist bisher nicht geklärt, es gibt jedoch zahlreiche Theorien.
Aufgrund des heterogenen Symptomspektrums und asymptomatischen Fällen ist die Diagnosestellung schwer. Bei Schmerzpatientinnen wird der Zeitraum bis zur korrekten Diagnose auf zehn Jahre geschätzt, ebenfalls geht man derzeit von einer hohen Dunkelziffer aus. Insgesamt ist die Datenlage zur Endometriose derzeit schlecht.
Auswertung vertragsärztlicher Abrechnungsdaten
Anhand einer kürzlich durchgeführten Analyse wurde die bundesweite Inzidenz diagnostizierter Endometriose-Erkrankungen nach zeitlichen und altersspezifischen Trends untersucht. Verwendet wurden vertragsärztliche Abrechnungsdaten von gesetzlich krankenversicherten (GKV) Mädchen und Frauen zwischen 10 und 52 Jahren. Gezählt wurden Fälle im Zeitraum von 2014 bis 2022, in denen erstmalig eine Endometriose-Diagnose (ICD-10: N80) mit dem Kennzeichen „gesichert“ dokumentiert wurde.
Für jedes Untersuchungsjahr wurde die kumulative und altersspezifische Inzidenz unter weiblichen GKV-Versicherten berechnet.
Inzidenz steigend, Diagnosezeitpunkt früher
2014 lag die Inzidenz einer Endometriose-Diagnose bei 2,8 pro 1000 GKV-versicherten Mädchen und Frauen. Im Jahr 2022 waren es 4,1 pro 1000. Während die Erkrankungsinzidenz im Studienzeitraum stieg, sank das mediane Alter bei Diagnose von 37 Jahren (2014) auf 34 Jahre (2022) (Tab. 1).
| Diagnosejahr | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Inzidente Fälle | 46.401 | 46.235 | 46.161 | 47.476 | 50.068 | 52.470 | 55.299 | 62.259 | 63.049 |
| Risikopopulation | 16.537.087 | 16.446.077 | 16.242.785 | 16.051.063 | 15.963.909 | 15.795.729 | 15.576.040 | 15.543.524 | 15.371.111 |
| Inzidenz (roh) | 2,8 | 2,8 | 2,8 | 3,0 | 3,1 | 3,3 | 3,6 | 4,0 | 4,1 |
Ergebnisse positiv zu bewerten
In einer älteren Untersuchung wurde für das Jahr 2007 eine Endometriose-Inzidenz von 1,9 Neudiagnosen pro 1000 Frauen ermittelt. Diese Zahl unterstreicht den in der Studie beobachteten Trend eines moderaten Anstiegs inzidenter Endometriose-Diagnosen. Die Studienautoren betonen, dass der Inzidenzanstieg vermutlich nicht auf ein steigendes Erkrankungsrisiko zurückzuführen ist, sondern auf das gestiegene Bewusstsein für die Erkrankung.
Ebenso zeigte sich eine Verschiebung des Altersgipfels der altersspezifischen Inzidenz in Richtung jüngerer Altersgruppen. Die Studienautoren werten diese Entwicklung als positiv, so spreche es für eine verkürzte Zeit bis zur Diagnosestellung.
Quelle
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Endometriose. Version 4.0, Stand 01.09.2020.
Kohring C, et al. Inzidenz der Endometriose von 2014–2022. Analyse von bundesweiten vertragsärztlichen Abrechnungsdaten. Dtsch Arztebl Int 2024;121: 619–26. doi: 10.3238/arztebl.m2024.0160.
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