Dank der Fortschritte in Diagnostik und Therapie überleben immer mehr Menschen Herzfehler und Infarkte. Die Patientenversorgung muss aber deutlich besser werden, so das Fazit der aktuellen Auswertung.
Herzerkrankungen bleiben relevant
Der Deutsche Herzbericht – Update 2024 beleuchtet die aktuelle Versorgungslage im Bereich der Herz-Kreislauf-Medizin. Er wird von der Deutschen Herzstiftung zusammen mit den wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK), für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), für Kinderkardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK) und für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) alljährlich herausgegeben. Die aktuellen Antworten auf die Frage „Wie entwickeln sich Morbidität und Mortalität sowie die verschiedenen Therapieoptionen bei Herzerkrankungen?“ stellten die Experten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz vor.
Insgesamt verzeichnen alle Herzkrankheiten Anstiege. Im Jahr 2022 starben 216.944 Menschen an den Folgen einer Herzkrankheit. Der kontinuierliche Rückgang der Sterblichkeitsrate der koronaren Herzkrankheit (KHK) in vergangenen Jahren ist eine gute Nachricht. Trotzdem führt sie die Liste der häufigsten Todesursachen weiterhin an. Herz-Kreislauf-Erkrankungen bilden insgesamt die Hälfte der zehn häufigsten Todesursachen.
Deutschland steht bei der durchschnittlichen Lebenserwartung im Vergleich mit anderen westeuropäischen Ländern weit hinten.“
Volkskrankheit Herzinsuffizienz ist nicht heilbar
Die häufigste Einzeldiagnose für eine stationäre Krankenhausbehandlung in Deutschland ist die Herzinsuffizienz. Ihre Hauptursachen sind die KHK und Bluthochdruck. Herzinsuffizienz entsteht zudem oft im Zusammenhang mit Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen, angeborenen Herzfehlern und Herzmuskelerkrankungen. Die Prognose ist schlecht: Etwa jeder Zweite mit Herzschwäche verstirbt innerhalb von sechs Jahren nach der Diagnose.
Medikamentöse Therapie viergleisig fahren
Eine adäquate Arzneimitteltherapie kann die Sterblichkeit senken, das Fortschreiten der Herzinsuffizienz verlangsamen und bedeutet für die Patienten eine bessere Lebensqualität. Laut Leitlinien hat hierbei die vierfache Therapiestrategie mit folgenden Wirkstoffgruppen höchste Priorität:
- Betablocker
- ACE-Hemmer/Sartane oder Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI)
- Mineralcorticoid-Rezeptorantagonisten (MRA)
- SGLT-2-Hemmer
Bleibt die medikamentöse Behandlung ohne ausreichende Effekte, kommen im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium implantierbare medizinische Geräte infrage, etwa ein Herzschrittmacher, ein Defibrillator oder ein sogenanntes CRT-System zur kardialen Resynchronisationstherapie. Für Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz im Endstadium bleibt die Option Herztransplantation.
Mehr erwachsene Patienten
Heutzutage erreichen mehr als 90% der Kinder mit angeborenem Herzfehler das Erwachsenenalter. Somit wächst hier eine spezielle Patientengruppe heran. Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) benötigen eine langfristige Versorgung, um den häufigen Folgen Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen zuvorzukommen. Laut Prof. Dr. med. Ulrike Herberg (DGPK) sind sie als Gruppe derzeit nicht richtig strukturiert versorgt. Zudem überleben immer mehr Patienten einen Herzinfarkt, auch sie tragen oft Schädigungen am Herzmuskel davon und entwickeln eine dauerhafte Herzschwäche.
Der Deutsche Herzbericht deckt hier Defizite in Prävention und Rehabilitation auf. Zu wenige Betroffene erhalten eine adäquate Versorgung. Wünschenswert wären aus Sicht der Spitzenvertreter der deutschen Herzmedizin spezielle Angebote für die EMAH. Denn wie Studiendaten zeigen, fördert die Teilnahme an einer Rehamaßnahme sowohl die Therapietreue bei der Medikation als auch Lebensstilveränderungen, inklusive körperliche Bewegung, Nikotinverzicht und gesunde Ernährung.
„Wir müssen in der medizinischen Versorgung der Herzschwäche mit bis zu vier Millionen Betroffenen in Deutschland interdisziplinär, multiprofessionell und noch stärker vernetzt vorgehen.“ (Prof. Dr. Thomas Voigtländer, Deutsche Herzstiftung)
Prävention vorantreiben
Ein Fazit des Berichts lautet: Trotz positiver Entwicklungen ist die Krankheitslast und Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiterhin hoch. Verbesserungen sind bei differenzierten Therapien und insbesondere bei der Prävention notwendig.
„Erkrankungen durch präventive Maßnahmen erst gar nicht aufkommen lassen“ (Prof. Dr. Stephan Baldus, DGK)
Hier stehen Maßnahmen gegen KHK und Bluthochdruck als Hauptursachen der Herzinsuffizienz im Vordergrund. Aus Sicht der Experten kann das Gesundes-Herz-Gesetz (GHG) hierbei Anreize schaffen. Ansatzpunkte hinsichtlich der Prävention sind die Risikofaktoren Rauchen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen (LDL-Cholesterin), Diabetes mellitus, Übergewicht sowie psychosozialer Stress. Darüber hinaus sprach sich Prof. Dr. Volkmar Falk (DGTHG) für die Widerspruchslösung bei der Organspende aus. Jedoch müsse grundsätzlich den gesetzlichen Vorgaben auch die Umsetzung in den Kliniken folgen.
Quelle
Deutsche Herzstiftung, DGK, DGTHG, DGPK und DGPR. Pressekonferenz zur Präsentation des Deutschen Herzberichts – Update 2024 am 10. September 2024.