Eine häufige unerwünschte Wirkung von Antipsychotika ist Bewegungsunruhe. Nicht immer kommt eine Dosisreduktion infrage. In einer Metaanalyse wurde nun untersucht, welche Arzneimittel zur Behandlung dieser Antipsychotika-induzierten Akathisie am wirksamsten sind.
Jeder dritte bis siebte Patient leidet unter Akathisie
Unter Antipsychotika-Therapie tritt bei etwa 14 bis 35% der Patienten eine Antipsychotika-induzierte Akathisie (AIA) auf. Sie ist gekennzeichnet durch Bewegungsunruhe (wie ständigen Beinbewegungen, Wippen von einem Fuß auf den anderen, Herumlaufen oder der Unfähigkeit, sich hinzusetzen und still zu sitzen) sowie innere Anspannung und ist je nach Ausmaß mit erhöhter Suizidalität verbunden. Unter Antipsychotika der ersten Generation treten AIA häufiger auf als unter Antipsychotika der zweiten Generation.
In Abhängigkeit von der Schwere sind laut der (abgelaufenen) S3-Leitlinie zur Schizophrenie nach Risiko-Nutzen-Evaluation eine Dosisreduktion des Antipsychotikums oder die Umstellung auf ein Antipsychotikum mit weniger Akathisie-Risiko übliche Strategien. Sollte dies nicht möglich sein, so sollten bei Akathisie mit entsprechendem Leidensdruck verschiedene pharmakologische Behandlungsversuche verfolgt werden. Die Evidenz dafür ist jedoch bislang nicht gut.
Für eine aktuelle Metaanalyse werteten Forscher aus Frankreich und Südkorea doppelblinde randomisierte klinische Studien aus, in denen aktive Arzneimittel zur Behandlung von AIA mit Placebo oder einer anderen Behandlung verglichen wurden. Eingeschlossen wurden Studien mit mindestens zehn Patienten mit bestätigter Akathisie unter Antipsychotika-Therapie, aus denen standardisierte Mittelwertdifferenzen (SMD) bestimmt wurden. Primärer Endpunkt der Metaanalyse war der Schweregrad der Akathisie, gemessen anhand einer validierten Skala.
Vitamin B6 zeigt günstigstes Nutzen-Risiko-Profil
In ihre Analyse ließen die Autoren 15 Studien mit insgesamt 492 Teilnehmern einfließen. Acht Studien wurden mit geringem, zwei mit mäßigem und fünf mit hohem Verzerrungsrisiko eingestuft.
Zur Akathisie-Therapie waren zehn unterschiedliche Arzneimittel eingesetzt worden, von denen sechs wirksamer als Placebo waren.
- Mirtazapin (15 mg/d für ≥5 Tage) belegt in puncto Wirksamkeit den ersten Platz, hat jedoch eine sedierende Wirkung und kann zu einer Gewichtszunahme führen (SMD −1,20).
- Mianserin (15 mg/d für ≥5 Tage) ist ebenfalls wirksam und hat abgesehen von der sedierenden Wirkung ein gutes Verträglichkeitsprofil. 10 bis 20% der Patienten reagieren allerdings nicht auf Mirtazapin und Mianserin (SMD −0,81).
- Vitamin B6 (600-1200 mg/d für ≥5 Tage) weist das beste Risiko-Nutzen-Verhältnis bei der Behandlung von AIA auf. Es hat eine mittlere bis große Effektstärke, weist aber ein gutes Verträglichkeits- und Akzeptanzprofil auf (SMD −0,92).
- Biperiden (6 mg/d für ≥14 Tage) kann die beste Alternative sein, wenn Vitamin B6 und Mirtazapin versagen. Manko ist auch hier die sedierende Wirkung. In den eingeschlossenen Studien wurde Biperiden in niedriger Dosierung verabreicht (2,5-mg-Injektionen), was möglicherweise die Verträglichkeit gegenüber der Wirksamkeit begünstigt hat. Die optimale Dosierung für Biperiden scheint den Autoren zufolge bei 12 mg/Tag über 14 Tage zu liegen (SMD −1,01).
- Trazodon (50 mg/d für ≥5 Tage) war ebenfalls signifikant wirksam. Die optimale Dosierung scheint 100 mg/Tag zu sein. Die häufigste Nebenwirkung ist Schläfrigkeit. Bei Männern wurden seltene Fälle von Priapismus gemeldet. Darüber hinaus sollte Trazodon bei Männern mit hämatologischen oder neurologischen Erkrankungen (wie Sichelzellenanämie, multiplem Myelom, Leukämie, Hyperkoagulabilität oder Erkrankungen des autonomen Nervensystems) oder bei Männern mit anatomischen Deformationen des Penis vermieden werden (SMD −0,84).
- Propranolol (20 mg/d für ≥6 Tage) führte zur größten Heterogenität des Modells, da Studien mit einer Dauer von 2 Tagen oder weniger einbezogen wurden. Es gibt keine Hinweise darauf, dass eine Erhöhung der Dosis über 50 mg/Tag hinaus die Wirksamkeit verbessert (SMD −0,78).
Unter Cyproheptadin, Clonazepam, Zolmitriptan und Valproat war der Unterschied zu Placebo nicht signifikant.
Zu den signifikanten Nebenwirkungen zählten Schläfrigkeit und Schwindel unter Trazodon und Mirtazapin, Hypersalivation und Depression unter Valproat, Mundtrockenheit und Sedierung unter Biperiden und Valproat, Hypotonie unter Propranolol sowie vorübergehende Sedierung unter Mianserin.
Fazit der Studienautoren
Am wirksamsten gegen AIA waren Mirtazapin, Biperiden und Vitamin B6, wobei Letzteres das beste Wirksamkeits- und Verträglichkeitsprofil aufwies. Trazodon, Mianserin und Propranolol sind diesen Daten zufolge wirksame Alternativen mit etwas weniger günstigen Wirksamkeits- und Verträglichkeitsprofilen.
Quelle
Gerolymos C, et al. Drug efficacy in the treatment of antipsychotic-induced akathisia: a systematic review and network meta-analysis. JAMA Netw Open 2024 Mar 4;7(3):e241527. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2024.1527.