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Bewegung bei Übergewicht: Wann ist die beste Zeit?

Moderate bis starke aerobe körperliche Aktivität kann das kardiovaskuläre Risiko bei Menschen mit Adipositas verringern. Doch macht es einen Unterschied, ob die Aktivitäten morgens, mittags oder abends stattfinden? Das wollten die Autoren einer im April in Diabetes Care veröffentlichten Untersuchung herausfinden.

WHO empfiehlt 150 Minuten Aktivität pro Woche

Dass Bewegungsmangel das Risiko für chronische, nicht übertragbare Krankheiten wie koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Diabetes mellitus Typ 2 (T2D) und verschiedene Krebsarten erhöht, ist bekannt. Unzureichende körperliche Aktivität und Adipositas gelten inzwischen als globale Pandemie. Den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sollten Erwachsene pro Woche 150 bis 300 Minuten körperlicher Aktivität mittlerer Intensität oder 75 bis 150 Minuten körperlicher Aktivität hoher Intensität nachgehen. Schätzungen zufolge schafft das in Deutschland jedoch nur etwa jeder Vierte (PDF).

Wann sollten sportliche Aktivitäten stattfinden?

Wann der beste Zeitpunkt für körperliche Aktivitäten bei starkem Übergewicht für die Gesundheitsförderung ist, sollte mit einer Analyse von Daten einer Accelerometer-Substudie der UK Biobank untersucht werden. Eingeschlossen wurden Daten von knapp 30.000 Menschen mit Adipositas (Body-Mass-Index > 30 kg/m²; Durchschnittsalter 62 Jahre; 53% Frauen), die zwischen 2006 und 2010 in die Datenbank aufgenommen wurden. Etwa jeder Zehnte hatte T2D.

Aerobe Aktivität wurde definiert als Bewegungseinheiten, die mindestens drei Minuten andauerten. Die Intensität der Aktivität war von den Teilnehmern mit Accelerometern bestimmt worden und wurde in leicht, moderat oder stark eingestuft. Die Teilnehmer wurden nach ihren Bewegungsmustern (Zeitraum mit mehr als 50% der gesamten mäßigen bis starken Aktivität) in drei Gruppen unterteilt: morgens (6 bis 12 Uhr), nachmittags (12 bis 18 Uhr) und abends (18 bis 24 Uhr). Teilnehmer ohne aerobe Aktivitäten dienten als Kontrolle. Die Nachbeobachtungszeit betrug knapp acht Jahre.

Der Zusammenhang zwischen dem Zeitraum der aeroben körperlichen Aktivität und dem Risiko für Gesamtmortalität, kardiovaskuläre (CVD) und mikrovaskuläre Erkrankungen (MVD: Neuropathie, Nephropathie oder Retinopathie) wurde über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 7,9 Jahren untersucht.

Geringstes Mortalitätsrisiko bei abendlicher Betätigung

In diesem Zeitraum traten 1425 Todesfälle, 3980 CVD-Ereignisse und 2162 MVD-Ereignisse auf. Verglichen mit der Aktivität in der Referenzgruppe war moderate bis starke aerobe Aktivität am Abend mit dem geringsten Mortalitätsrisiko verbunden:

  • Morgens: Hazard-Ratio (HR) 0,67
  • Nachmittags: HR 0,60
  • Abends: HR 0,39

Für die Häufigkeit von CVD war der Zusammenhang ähnlich, für MVD jedoch nicht so deutlich ausgeprägt:

  • Morgens: HR 0,83 (CVD) bzw. 0,79 (MVD)
  • Nachmittags: HR jeweils 0,84
  • Abends: HR 0,64 (CVD) bzw. 0,76 (MVD)

In der T2D-Untergruppe waren die Ergebnisse vergleichbar.

Die zugrundeliegenden Mechanismen sind den Autoren zufolge noch nicht vollständig geklärt. Es ist jedoch bekannt, dass T2D einen Einfluss auf den zirkadianen Rhythmus hat. So führen die Autoren unter anderem das „Dawn-Phänomen“ auf, eine bei der Insulintherapie von Diabetes-Patienten zu beachtende morgendliche Hyperglykämie und höhere Insulinsensitivität und Glykämie am Abend. Bewegung hätte demnach den größten metabolischen Vorteil, wenn die postprandiale Glykämie am höchsten ist und die hepatische Insulinsensitivität zu sinken beginnt.

Fazit

Unabhängig vom Zeitraum reduziert moderate bis starke aerobe Bewegung bei Menschen mit Adipositas das Risiko für kardio- und mikrovaskuläre Ereignisse und das Streberisiko. Dieser Untersuchung zufolge war die Reduktion bei abendlicher Betätigung am stärksten ausgeprägt.

Quelle

Sabag A. et al. Timing of moderate to vigorous physical activity, mortality, cardiovascular disease, and microvascular disease in adults with obesity. Diabetes Care 2024;47:890–7.

Bildquelle

FatCamera/istockphoto.com