Bei schwangeren Frauen sind viele Antiepileptika nur bedingt geeignet. Neben anderen teratogenen Eigenschaften können die Arzneimittel ein erhöhtes Risiko für eine Autismus-Spektrum-Störung bergen. Darauf deuten die Ergebnisse einer aktuellen Studie hin.
Schwierige Therapieentscheidung bei Schwangeren
Schon länger ist bekannt, dass verschiedene Antiepileptika, beispielsweise Topiramat, bei Schwangerschaften teratogen wirken können. Im September 2023 empfahl der Ausschuss für Risikobewertung der Pharmakovigilanz (PRAC) der EMA, Topiramat bei Schwangeren nur dann einzusetzen, wenn kein anderes Arzneimittel infrage kommt. Ähnlich verhält es sich bei Valproat, wie in einem Rote-Hand-Brief aus 2018 beschrieben wird. Neben Fehlbildungen wird auch ein erhöhtes Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen unter Antiepileptika diskutiert. Wie hoch das Risiko tatsächlich ist, wurde in einer US-amerikanischen Studie untersucht.
Erhöhtes Risiko unter Valproat
Anhand zweier US-Gesundheitsdatenbanken wurde eine populationsbasierte Kohorte von etwa 4,3 Millionen schwangeren Frauen und deren Kindern identifiziert. Die Medikationen der Frauen wurden anhand Rezept-Ausstellungen ab Woche 19 der Schwangerschaft bis zur Entbindung registriert.
Kinder, die während der zweiten Hälfte der Schwangerschaft einer Antiepileptika-Therapie (Topiramat, Valproat oder Lamotrigin) ausgesetzt waren, wurden mit Kindern ohne Kontakt zu Antiepileptika verglichen. Die kumulative Inzidenz für eine Autismus-Spektrum-Störung lag bei:
- 4,2% für Kinder, die keinen Kontakt zu Antiepileptika während der Schwangerschaft hatten und deren Mütter unter Epilepsie litten (8815 Kinder), im Vergleich zu
- 6,2% für Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft Topiramat einnahmen (1030 Kinder),
- 10,5% für Kinder, deren Mütter Valproat einnahmen (800 Kinder) und
- 4,1% für Kinder, deren Mütter Lamotrigin einnahmen (4205 Kinder).
Nach Bereinigung der Daten um verschiedene Störfaktoren blieb das Risiko lediglich für Valproat deutlich erhöht, während für Topiramat und Lamotrigin kein wesentlich erhöhtes Risiko messbar war.
Es bleibt kompliziert
Studien wie die vorliegende können dabei helfen, auch für Schwangere mit Epilepsie die passende Medikation zu finden. In dieser Untersuchung war das Risiko einer Autismus-Spektrum-Störung lediglich bei Einnahme von Valproat während der Schwangerschaft deutlich erhöht. Passend dazu wurde in einem Rote-Hand-Brief vom Februar 2024 sogar das Risiko einer Valproat-Einnahme von Vätern bis zu drei Monaten vor Zeugung eines Kindes diskutiert: Männliche Epilepsie-Patienten sollen demnach auf eine effektive Verhütung achten. Wenn sie ein Kind planen, soll ein alternatives Arzneimittel gewählt werden, um neurologische Entwicklungsstörungen des Kindes zu verhindern.
Quelle
Hernández-Díaz S, et al. Risk of autism after prenatal topiramate, valproate, or lamotrigine exposure. N Engl J Med 2024;390:1069–79.
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