Auch bei altbewährten Substanzen gibt es Fallstricke, Besonderheiten oder Neuigkeiten zu beachten. Dafür gab es beim deutschen Schmerz- und Palliativtag 2024 ein Pharmakologie-Update zu in der Palliativmedizin eingesetzten Arzneimitteln, unter anderem Fentanyl.
„Fentanyl ist eine alte Substanz“
Erstmalig beschrieben wurde Fentanyl bereits 1960, so Priv.-Doz. Dr. Eberhard Albert Lux, Lünen. Ende der 60er-Jahre wurde es erstmal in den USA zugelassen, seit 1990 sind die mittlerweile häufig verordneten Pflaster auf dem Markt. Ende der 90er-Jahre ergänzten transmukosale Darreichungsformen erstmals das Angebot.
Es ist etwa 100-mal potenter als Morphin und wegen seiner kurzen Halbwertszeit gut steuerbar. Es ist selbst bei stark eingeschränkter Nierenfunktion einsetzbar, bei Anzeichen für eine stark eingeschränkte Leberfunktion sollte die Dosis reduziert werden. Vorsicht ist zudem geboten bei Kombination mit starken CYP3A4-Inhibitoren und -Induktoren.
Umgang mit Pflastern
Auch bei den Pflastern ist einiges zu beachten: Soll beispielsweise von einem oralen Opioid auf die Pflaster umgestellt werden, muss mit dem Aufkleben des Pflasters eine Dosis eines retardierten oralen Opioids gegeben werden, da die Wirkung des Fentanyls erst mit etwa 12 Stunden Verzögerung auftritt.
Gemeinhin bekannt ist, dass die (kaum noch verfügbaren) Membranpflaster wegen eines Dose-Dumpings nicht geteilt werden dürfen. Auch wenn diese Gefahr bei Matrixpflastern nicht besteht, dürfen diese gemäß Zulassung trotzdem nicht zerschnitten werden, da die Dosiergenauigkeit nicht gewährleistet ist.
Überdies wies Lux darauf hin, dass die Pflaster verschiedener Hersteller nicht ohne weiteres austauschbar sind, selbst wenn sie die gleiche Freisetzungsrate haben. Erst wenn auch Applikationsdauer und Wirkstoffbeladung gleich sind, ist ein Herstellerwechsel möglich.
Gut geeignete Orte zum Aufkleben sind Brust, oberer Rücken und Oberarme auf möglichst unbehaarter gereinigter Haut. Um die Haftung zu verbessern, sollte das Pflaster mit der flachen Hand etwa 30 Sekunden lang fest angedrückt werden. In der Regel kleben Buprenorphinpflaster besser, aber es kommt häufig zu allergischen Reaktionen an der Klebestelle, was bei Fentanyl so nicht bekannt ist.
Wir finden bei unseren Patienten immer eine Stelle, wo wir gut haftend kleben können.
Schnell freisetzende Darreichungsformen
Fentanyl ist auch zur intravenösen, subkutanen, nasalen, buccalen und sublingualen Anwendung verfügbar. Diese Formen sind beispielsweise zur Behandlung von Durchbruchschmerzen gut geeignet, da sich aufgrund der kurzen Halbwertszeit die Schmerzen gut kupieren lassen ohne langes Nachwirken des Opioids, so Lux.
Nicht verordnet werden sollen diese schnellfreisetzenden Formulierungen in der Dauertherapie, was aber laut Krankenkassendaten häufig geschieht –beispielsweise gegen Rückenschmerzen berichtete Lux.
Zudem müssen Ärzte ihre Patienten umfassend aufklären, ideal ist außerdem eine schriftliche Einnahmevorschrift. Am besten ist ein Behandler, der den Patienten über lange Zeit betreut. Dann fällt beispielsweise auch schneller auf, wenn der Patient eine Opioidtoleranz oder Abhängigkeit entwickelt.
Quelle
Priv.-Doz. Dr. Eberhard Albert Lux. UPDATE Pharmakologie in der Palliativmedizin – Fentanyl. Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2024. Online 15. März 2024.
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