Häufiger Depressionen bei Verhütung mit Hormonspirale?

Daten legen ein erhöhtes Risiko für Depressionen bei Anwenderinnen von hormonhaltigen Intrauterinsystemen (IUS) nahe. Nicht klar ist jedoch, ob die Wirkstoffmenge in der eingesetzten Spirale eine Rolle spielt. Das sollte nun eine aktuelle dänische Studie klären.

Hormonelle Verhütung seltener angewendet

Auch 2023 waren laut einer Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Kondome und orale hormonelle Kontrazeptiva die meistgenutzten Verhütungsmethoden (PDF), wobei die Nutzung der Pille rückläufig ist und mittlerweile – anders als noch bei der Befragung 2018 – mehr Menschen mit Kondomen verhüten. Auf Platz 3 steht die Spirale; es wird allerdings nicht zwischen Hormon- und Kupferspiralen differenziert.

In Deutschland sind verschiedene Levonorgestrel-haltige Intrauterinsysteme zur Verhütung zugelassen („Hormonspirale“). Sie enthalten 13,5 mg (Jaydess®), 19,5 mg (Kyleena™) oder 52 mg (Mirena®) des Wirkstoffs und sind für eine Anwendungsdauer von drei bis acht Jahren bestimmt. Das hochdosierte Präparat kann außerdem bei Hypermenorrhoe eingesetzt werden. Aus Studiendaten geht hervor, dass die Nutzung mit einem erhöhten Risiko für Depressionen verbunden ist.

Eine schwedische Studie im letzten Jahr zeigte, dass das Risiko für Depressionen unter derartigen Systemen generell erhöht ist. Dies gilt insbesondere für junge Frauen und solche, die zum ersten Mal eine hormonelle Verhütung anwenden. In einer aktuellen dänischen Studie wurde nun untersucht, ob eventuell eine niedrigere Dosierung gegenüber einer höheren Dosierung Vorteile hat.

Studie mit Erstanwenderinnen

46.565 Frauen im Alter von 15 bis 34 Jahren wurden in die landesweite prospektive Kohortenstudie eingeschlossen. Sie waren noch nie schwanger gewesen, wendeten die IUS erstmalig an und hatten keine Depressionen oder andere schwere psychische Erkrankungen in der Vorgeschichte. Darüber hinaus wurden Frauen mit Diagnosen wie Endometriose, Hyper-/Dysmenorrhoe, Polypen oder Myomen ausgeschlossen. Auch Eisensubstitution, Fehlgeburten und Fertilitätsbehandlungen waren Ausschlusskriterien.

  • 9902 (21%) nutzten das Präparat mit 52 mg Levonorgestrel
  • 665 (44%) nutzten das Präparat mit 19,5 mg Levonorgestrel
  • 998 (34%) nutzten das Präparat mit 13,5 mg Levonorgestrel

Weniger Depressionen bei niedrigeren Dosierungen

Die Frauen wurden 80.516 Personenjahre nachbeobachtet. In der Zeit begannen 1531 eine Therapie mit Antidepressiva.

Die Inzidenz für das erstmalige Auftreten einer Depression pro 1000 Personenjahre betrug

  • 30,8 für die 52-mg-Gruppe
  • 19,8 für die 19,5-mg-Gruppe
  • 17,7 für die 19,5-mg-Gruppe

Verglichen mit der Dosierung von 52 mg ließen sich unter 19,5mg 11 Fälle pro 1000 Personenjahre verhindern unter 13,5mg waren es rund 13 Fälle.

Das geringere Risiko für Depressionen unter den niedrigen Dosierungen blieb über die gesamte Anwendungsdauer erhalten.

Handlungsempfehlung der Studienautoren

Die Studienautoren plädieren für den Einsatz des IUS mit 19,5mg als Verhütungsmittel. Das Depressionsrisiko war zwar unter beiden niedrigen Dosierungen signifikant geringer als unter dem hohen Wirkstoffgehalt, die 13,5mg-Dosierung wurde aber öfter mit nachfolgenden ektopen Schwangerschaften (Einnistung der befruchteten Eizelle außerhalb der Gebärmutter) in Verbindung gebracht.

Das hochdosierte IUS sollte nach Meinung der Studienautoren nicht zur Verhütung dienen, sondern nur bei Frauen mit Hypermenorrhoe oder schwerer Dysmenorrhoe zum Einsatz kommen.

Quelle

Wessel Skovlund C, et al. Depression risk in users of different doses of levonorgestrel intrauterine systems: a nationwide prospective cohort study. The Lancet Regional Health – Europe 2024; Published Online, https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2023.100813