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Nutzen der HPV-Impfung in sozial schwachen Gebieten besonders deutlich

Seit mehr als 15 Jahren gibt es die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV), um Gebärmutterhalskrebs und andere HPV-verursachte Tumoren zu verhindern. Einer Beobachtungsstudie aus Schottland zufolge ist die Impfung am wirksamsten, wenn sie früh gegeben wird. Am deutlichsten ist der Nutzen in sozial benachteiligten Gegenden zu sehen.

Mehr als 15 Jahre HPV-Impfung

In Deutschland stehen derzeit zwei Impfstoffe gegen HPV zur Verfügung: Das bivalente Cervarix® wirkt gegen die Hochrisiko-Typen HPV 16 und 18, Gardasil® 9 zusätzlich gegen sieben weitere HPV-Typen. Seit der Einführung der HPV-Impfstoffe ist die Inzidenz für Gebärmutterhalskrebs-Vorstufen gesunken.

In Schottland werden Mädchen im Alter von 12 bis 13 Jahren seit 2008 mit dem bivalenten HPV-Impfstoff geimpft. In einer bevölkerungsbasierten Beobachtungsstudie anhand von Daten des „Scottish cervical cancer screening systems“ sowie weiteren Registern sollte die Wirksamkeit gegen HPV abhängig vom Impfalter und der sozialen Situation der Mädchen untersucht werden. Die eingeschlossenen Frauen waren zwischen 1988 und 1996 geboren, die Datenextraktion erfolgte im Juli 2020.

Kein Zervixkarzinom bei früh geimpften Frauen

Bei keiner Frau, die im Alter von 12 bis 13 Jahren geimpft worden war, trat im Untersuchungszeitraum ein Zervixkarzinom auf. Dabei spielte es keine Rolle, wie viele Impfdosen sie erhalten hatte.

Frauen, die erst zwischen 14 bis 22 Jahre alle drei Impfdosen erhalten hatten, erkrankten signifikant seltener an einem Zervixkarzinom als ungeimpfte Frauen (3,2 vs. 8,4 pro 100.000 Frauen und Jahr).

Deutlicher Effekt in sozial schwachen Gegenden

Unabhängig vom Impfstatus erkrankten in sozial benachteiligten Gegenden mehr als doppelt so viele Frauen an Gebärmutterhalskrebs wie in wohlhabenden (unbereinigte Inzidenz: 10,1 vs. 3,9 pro 100.000 Frauen und Jahr). Vergleicht man in sozial benachteiligten Gegenden die Inzidenz von geimpften versus ungeimpften Frauen, ist der Effekt noch deutlicher mit 2,3 versus 13,1 pro 100.000 Frauen und Jahr.

Den Autoren zufolge bestätigen die Ergebnisse, dass der eingesetzte Impfstoff effektiv verhindern kann, dass invasiver Gebärmutterhalskrebs entsteht. Im Alter von 12 bis 13 Jahren verabreicht, erreichten zudem bereits eine oder zwei Dosen im Abstand von einem Monat einen Nutzen. Im höheren Alter seien für eine statistisch signifikante Wirksamkeit des Impfstoffs drei Dosen erforderlich.

Kommentar

Aufgrund der langen Entstehungszeit eines Zervixkarzinoms konnte anfangs vor allem ein Rückgang von zervikalen Krebsvorstufen (CIN) gezeigt werden. Inzwischen sieht man jedoch auch beim Zervixkarzinom einen leichten Rückgang der Inzidenz und zudem einen Herdenschutz: einen Rückgang der Inzidenz von CIN auch bei Ungeimpften. Das mittlere Erkrankungsalter am invasiven Karzinom liegt mit 53 Jahren zwar deutlich höher als das Alter der hier eingeschlossenen Frauen und es bedarf sicher weiterer Langzeitdaten. Die Ergebnisse lassen jedoch hoffen, dass sich das Zervixkarzinom mit Impfung sowie Gebärmutterhalskrebs-Screening und der damit verbundenen Therapie von Vorstufen zu einer seltenen Erkankung machen lassen könnte.

Weltkrebstag 4. Februar

Vor allem für entwicklungsschwache Länder wäre eine flächendeckende HPV-Impfung wichtig: Hier gehört das Zervixkarzinom nach wie vor zu den häufigsten Malignomen bei Frauen. Auf Ungleichheiten in der Versorgung macht auch die International Union Against Cancer (UICC) im Rahmen des Weltkrebstages aufmerksam, der jährlich am 4. Februar stattfindet.

Quelle

Palmer TJ, et al. Invasive cervical cancer incidence following bivalent human papillomavirus vaccination: a population-based observational study of age at immunization, dose, and deprivation. J Natl Cancer Inst 2024 Jan 22:djad263. doi: 10.1093/jnci/djad263. Online ahead of print.

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annamaria – stock.adobe