Eine regelmäßige Schamhaarentfernung scheint bei Frauen das Risiko für rezidivierende Harnwegsinfekte zu erhöhen.
Risikofaktoren für Blasenentzündung
Harnwegsinfektionen gehören bei Frauen zu den häufigsten Infektionen; besonders vor der Menopause. Zu den bekannten Risikofaktoren bei nichtschwangeren Frauen gehören zeitnaher Geschlechtsverkehr, der Gebrauch von Diaphragmen und Spermiziden, Harnwegsinfektionen in der Anamnese und jugendliches Alter bei der ersten Harnwegsinfektion.
Schamhaarentfernung als Risikofaktor für Blasenentzündung?
In einer polnischen Studie wurde nun untersucht, ob eine Schamhaarentfernung auch zu diesen Risikofaktoren zählt. Denn aus mehreren Studien gibt es Hinweise, dass zum Beispiel Kopfbehaarung bei Männern oder auch ein Bart das Wachstum pathogener Bakterien hemmen können.
In die Studie eingeschlossen wurden 2409 Frauen zwischen 18 und 45 Jahren. Untersucht wurde das Auftreten von Harnwegsinfektionen in Abhängigkeit davon, ob und wie intensiv die Schamhaare entfernt wurden. Zwei Drittel der Frauen entfernten sich die Haare im Intimbereich mindestens einmal pro Woche komplett.
Auch weitere Daten wurden erhoben. Hierzu gehörten Informationen über das Alter, ob bereits im Alter unter 15 Jahren eine Blasenentzündung aufgetreten war, Spermizidgebrauch, neue Sexualpartner und die Häufigkeit von Geschlechtsverkehr.
Erhöhtes Risiko für wiederkehrende Harnwegsinfekte durch regelmäßige Schamhaarentfernung
Extreme Schamhaarentfernung (täglich oder wöchentlich) war zwar nicht mit einem erhöhten Risiko für eine Blasenentzündung assoziiert, aber mit einem höheren Risiko für rezidivierende Harnwegsinfekte (≥ 3 pro Jahr) (Odds-Ratio 3,09; 95%-Konfidenzintervall 1,35–7,06). Das Ganze war unabhängig vom Alter, Harnwegsinfektionen in der Vergangenheit oder Sexualpraktiken.
Schambehaarung wirkt protektiv
Am häufigsten werden Schamhaare aus hygienischen Gründen entfernt. Diese scheinen jedoch als mikrobielle Nische gegen wiederkehrende Harnwegsinfekte zu schützen. Schamhaare von Frauen beherbergen verschiedene Lactobacillus-Arten, die die Kolonisierung von E-coli-Bakterien, die häufigsten Erreger von Harnwegsinfektionen, unterdrücken. Zum anderen besitzen Schamhaare als solche auch antimikrobielle Eigenschaften.
Quelle
Galbarczyk A, et al. Extreme pubic hair removal as a potential risk factor for recurrent urinary tract infections in women. Sci Rep 2023;13:19045. doi: 10.1038/s41598-023-46481-6.