Die Zahl der Typ-2-Diabetikerinnen in jüngerem Alter steigt. Somit kommt es immer häufiger vor, dass ihre Kinder während der Schwangerschaft verschiedenen Antidiabetika ausgesetzt sind. Die Datenlage ist für Insulin und mittlerweile auch für Metformin recht gut, andere Antidiabetika sind jedoch wenig untersucht.
Mehr exponierte Schwangerschaften
Immer mehr Frauen im reproduktionsfähigen Alter leiden an Typ-2-Diabetes. Bei Nichtschwangeren ist Metformin häufig das Mittel der ersten Wahl. Ist dieses nicht ausreichend, kann es durch zahlreiche andere Wirkstoffe wie Sulfonylharnstoffe, DPP4-Inhibitoren, GLP-1-Rezeptoragonisten und SGLT-2-Inhibitoren ergänzt werden. Diese werden immer öfter statt Insulin in der zweiten Linie eingesetzt.
Wird eine Schwangerschaft geplant, wird in den meisten Leitlinien aufgrund der guten Datenlage meist Insulin als Mittel der ersten Wahl empfohlen. Allerdings wird auch immer häufiger Metformin eingesetzt. Es sind jedoch nach wie vor nicht alle Schwangerschaften geplant. Eine Folge daraus ist, dass immer mehr andere Antidiabetika auch während der Schwangerschaft – vor allem im ersten Trimester – eingenommen werden. Diese werden dann bei Feststellung der Schwangerschaft erst während oder nach der Organogenese abgesetzt.
Dementsprechend werden dringend Daten benötigt, um die Sicherheit und das teratogene Risiko dieser Arzneimittel abzuschätzen. In einer aktuellen Beobachtungsstudie wurden verschieden Zweitlinien-Antidiabetika unter die Lupe genommen.
Beobachtungsstudie aus sechs Ländern
Selten eingesetzt, aber steigende Tendenz
Eingeschlossen wurden Daten von Schwangeren aus Finnland, Island, Norwegen, Schweden („nordische Länder“), den USA und Israel (von etwa 2009 bis 2021). Insgesamt wurden die Zweitlinien-Antidiabetika selten eingesetzt und es gab Unterschiede zwischen den Nationen: 32, 295 bzw. 73 pro 100.000 Schwangerschaften, allerdings mit steigender Tendenz über die Studiendauer.
Betrachtet wurde die Rate an schweren angeborenen Fehlbildungen (major congenital malformations [MCM]) im Vergleich zu Kindern, deren Mütter Insulin erhalten hatten. Die geborenen Kinder wurden über ein Jahr nachverfolgt. Überdies wurden die Fehlbildungsraten in der gesamten Studienpopulation ausgewertet.
Kein Hinweis auf erhöhtes Fehlbildungsrisiko
Es standen Daten aus 3.514.865 Schwangerschaften zu Verfügung, bei 51.826 der Frauen bestand bereits vor der Schwangerschaft ein Typ-2-Diabetes. Die Fehlbildungsrate in der gesamten Kohorte lag bei 3,76% und bei 5,28% der Kinder von Typ-2-Diabetikerinnen. Die Raten waren bei nichtbehandelten (4,77%) oder Müttern, die Metformin einnahmen (5,32%), geringer als unter Insulin oder den untersuchten Zweitlinien-Antidiabetika:
- Insulin: 7,83%
- Sulfonylharnstoffe: 9,71% (Relatives Risiko [RR] gegenüber Insulin: 1,18)
- DPP4-Inhibitoren: 6,14% (RR 0,83)
- GLP-1Rezeptoragonisten: 8,23% (RR 0,95)
- SGLT-2-Inhibitoren: 7,04% (RR 0,98)
Die Autoren resümieren, dass es in der vorliegenden Studie keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko unter den untersuchten Zweitlinien-Antidiabetika gibt. Darüber hinaus sind auch aus anderen Untersuchungen keine Hinweise auf ein teratogenes Potenzial dieser Wirkstoffe bekannt. Allerdings bestehen gewisse Unsicherheiten, da die Zahl der exponierten Schwangerschaften sehr gering war und überdies ein Verzerrungspotenzial besteht, da nur Lebendgeburten in der Untersuchung berücksichtigt wurden.
Mehr Daten benötigt
Da die Zahl der exponierten Schwangerschaften steigen wird und die Sicherheit der Wirkstoffe während der Schwangerschaft anhand der vorliegenden Daten nicht abschließend beurteilt werden kann, braucht es Daten aus weiteren Studien. Bei Typ-2-Diabetikerinnen, die während der Schwangerschaft eins der untersuchten Arzneimittel einnehmen, sollte ein sorgfältiges Monitoring erfolgen.
Quelle
Cesta CE, et al. Safety of GLP-1 Receptor Agonists and Other Second-Line Antidiabetics in Early Pregnancy. JAMA Intern Med 2023. doi:10.1001/jamainternmed.2023.6663