„Hoffnung ist ein besserer Partner als Verzagtheit“

In einem gemeinsamen Positionspapier werben die Kassenärztliche Bundesvereinigung, Prof. Hendrik Streeck und Prof. Jonas Schmidt-Chanasit mit Unterstützung verschiedener Berufsverbände für einen Strategiewechsel in der Bekämpfung der Pandemie.

Gebote statt Verbote

Die Verfasser des Positionspapiers (PDF; aktualisierte Fassung vom 02.11.) halten den Lockdown nicht für den geeigneten Weg, die Pandemie zu bekämpfen. Sie plädieren für eine Abkehr von der Eindämmung alleine durch Kontaktpersonennachverfolgung, stattdessen für die Einführung eines bundesweit einheitlichen Ampelsystems, in dem die Lage direkt erkennbar wird, sowie für den Schutz von Risikogruppen.

Die Verfasser befürchten, dass durch Verordnungen, die sich als widersprüchlich, unlogisch und damit für den Einzelnen als nicht nachvollziehbar herausstellen oder von Gerichten gekippt werden, ein Akzeptanz- und Glaubwürdigkeitsproblem entsteht, sodass die Bevölkerung langfristig nicht bereit sei, die Maßnahmen mitzutragen. Die Menschen hierfür zu gewinnen, könne „nicht mit Angst, Panik und Verboten, sondern mit dem Aufzeigen von Alternativen“ geschehen.

Verbote oder Bevormundung haben eine kurze Halbwertszeit und entsprechen nicht unserem Verständnis einer freiheitlich demokratischen Grundordnung

Eigenverantwortung sei gefragt: Gerade die Kontaktpersonennachverfolgung könne auf diese Weise besser und effektiver erfolgen. Darüber hinaus befürworten die Verfasser unter anderem auch weiterhin die Anwendung der AHA + A + L Regelung (Abstand/Hygiene/Alltagsmaske + App + regelmäßiges Lüften). Der Fokus solle aber auf dem Schutz der Risikogruppen liegen, allerdings ohne Isolation dieser Gruppen gegen den eigenen Willen. Dazu zählen beispielsweise Schnelltests vor Besuchen in Pflegeheimen oder Krankenhäusern sowie der regelmäßige Test von ärztlichem und pflegerischem Personal.

Zudem sollten statt Ausgangssperren „Veranstaltungen mit Hygienekonzepten und Teststrategien unter wissenschaftlicher oder gesundheitsamtlicher Begleitung durchgeführt werden, um herauszufinden, ob das Risiko einer Virusübertragung überhaupt in relevantem Umfang besteht.“

Zu wenig Daten

Generell ist die Datenlage zum Infektionsgeschehen eher mager. Zwar wird häufig angegeben, dass sich die meisten Menschen in ihrem privaten Umfeld angesteckten, allerdings sagt das RKI, dass diese Zahlen mit Vorsicht zu interpretieren seien. Insgesamt kann nur bei etwa einem Viertel der gemeldeten Fälle überhaupt nachvollzogen werden, wo diese sich angesteckt hatten. Dazu kommt eine hohe Dunkelziffer.

Auch Prof. Gerd Antes, ehemaliger Leiter des Cochrane-Zentrums hat in einem Interview mit dem SWR die „Strategie“ der Bundesregierung bereits im Vorfeld der Beschlüsse angezweifelt und darauf plädiert, man müsse lernen, professionell mit Nichtwissen umzugehen.

Stattdessen würden den Menschen falsche Hoffnungen gemacht und ein Wissen suggeriert, das nicht da sei. Es sei versäumt worden, im letzten halben Jahr entsprechende Daten zu sammeln.

Bekanntermaßen hat die Politik einen anderen Weg eingeschlagen und weitere umfangreiche Verbote erlassen.