40.000 Arbeitsplätze in der Pflege zu vergeben

Das britische Gesundheitssystem bekommt bereits die Folgen des bevorstehenden Brexit zu spüren. Seitdem die Briten entschieden haben, nicht mehr Teil der Europäischen Union sein zu wollen, haben über 122.000 EU-Bürger Großbritannien verlassen. Seitdem hat das Land einen Mangel an Bänkern, Bauarbeitern und Baristas, wie die New York Times International Weekly am 1. Dezember berichtete. Und nun ist auch noch die Gesundheitsbranche betroffen.

Etwa 40.000 Stellen in der Krankenpflege sind vakant und es werden mehr. EU-Bürger bangen um Rentenansprüche und freie Gesundheitsversorgung, wenn der Brexit erst einmal vollzogen ist. Sie wissen nicht, wie sicher ihr Arbeitsplatz dann überhaupt noch ist, und packen nun frühzeitig ihre Sachen. Über 10.000 europäische Mitarbeiter im NHS (National Health Service) haben im Jahr nach dem Referendum ihren Job gekündigt und das Land verlassen.

King's College Hospital, London
Das King’s College Hospital in London [© Wellcome Collection; CC BY 4.0]
Ein betroffenes Krankenhaus ist das King’s College Hospital, dem Pflegekräfte, Ärzte und Hebammen fehlen. Noch ist das Personal international, aber der Anteil sinkt und es rückt auch niemand nach. Im Oktober hat sich nicht ein Europäer auf eine der ausgeschriebenen leitenden Positionen beworben – in früheren Zeiten war es etwa ein Drittel der Bewerbungen. Ein deutscher Arzt beispielsweise hat eine Leitungsposition abgelehnt, weil er ihm zugesprochene europäische Forschungsgelder nach dem Brexit nicht mit nach Großbritannien nehmen darf.

Eine deutsche Kinderkrankenschwester ist nach Deutschland zurückgegangen, nachdem sie 11 Jahre in London gearbeitet hat und das, obwohl ihr Job dort mehr Herausforderungen bietet als in Deutschland und sie sich eigentlich wohlgefühlt hat – die Zukunft war ihr einfach zu unsicher. Kollegen rieten ihr, die englische Staatsbürgerschaft zu beantragen, doch das kam für sie nicht infrage: „Ich respektiere das Votum, aber ich beuge mich ihm nicht“, so ihr Statement.

Am King’s College Hospital ist eine Strategie nun, die eine Einwanderergruppe einfach durch eine andere zu ersetzen – man geht auf Personalsuche in Australien, Indien und den Philippinen. Ja, die Bedingungen sind anders – eine Einwanderung aus diesen Ländern war nie so niedrigschwellig, wie aus einem EU-Land, man nimmt den Betroffenen also „nichts weg“ – aber die Frage ist, ob nicht auch irgendwann das Gefühl eintritt, was ein französischer Arzt (der Anfang des Jahres an ein Krankenhaus in Dubai wechseln wird) in Worte fasste: „Ich fühle mich sehr zerrissen dabei, Menschen zu helfen, die sehr deutlich gemacht haben, dass sie uns nur loswerden wollen.“

Auch andere europäische Länder, darunter Deutschland, suchen hängeringend Pflegepersonal – vielleicht finden dort die abgewanderten Pflegekräfte aus Großbritannien eine neue Wirkungsstätte.

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