Der 10. September ist Welt-Suizid-Präventionstag

13 Gründe hatte Hannah Baker, ihrem Leben ein Ende setzen zu wollen. „13 reasons why“ deshalb der Titel der Netflix-Serie, die seit ihrer Erstausstrahlung am 31. März 2017 für Diskussionen sorgt.

Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jay Asher (zu Deutsch „Tote Mädchen lügen nicht“), in dem 13 Personen nach Hannahs Selbstmord per Post einen Satz Hörspielkassetten zugesandt bekommen, auf denen sie erläutert, wie und warum jeder von ihnen ein bisschen zu ihrem Tod beigetragen hat.

Psychiatrische Fachgesellschaften sind Sturm gelaufen, da die Serie internationale Richtlinien zur Medienberichterstattung bei Suiziden verletzt; beispielsweise wird der Selbstmord detailliert dargestellt, die Figur hat ein hohes Identifikationspotenzial und gleichzeitig werden keine Hilfsangebote für suizidale Jugendliche thematisiert.

Man befürchtet daher den „Werther-Effekt“ – und DGKJP und DGPPN empfehlen deshalb in ihrer gemeinsamen Stellungnahme unter anderem, dass „psychisch labilen und vulnerablen jungen Menschen […] dringend vom Konsum der Serie abgeraten“ wird.

Macher und Kritiker halten dagegen, dass die Serie auf Themen wie Mobbing, Gewalt und Suizid aufmerksam mache und aufkläre.

Kalifornische Forscher um John W. Ayers haben daher untersucht, ob sich nach Erstausstrahlung der Serie die Zahl der Suchanfragen im Internet zum Thema Selbstmord erhöht hat, denn Studien belegen bereits, dass eine ausführliche Berichterstattung darüber (von Teenagern oder auch Prominenten) die Rate der Suizide erhöht. Ayers und Kollegen fanden heraus, dass in den 19 Tagen nach Erstausstrahlung die Zahl der Suchanfragen um 19 % höher war als erwartet – einerseits zu Suizidgedanken und -methoden, aber auch zu Präventionsmöglichkeiten und Hotlines, die Hilfe anbieten. Die Serie könne also beide Effekte haben: das Bewusstsein für das Thema Suizid erhöhen, aber gleichzeitig auch unbeabsichtigt Suizidgedanken verstärken.

Interessant finde ich, dass keine der Veröffentlichungen – seien es Artikel in der Laienpresse, Publikationen in Fachzeitschriften oder Stellungnahmen der Fachgesellschaften – Betroffenen davon abrät, das Buch zu lesen. Denn wie die FAZ schrieb, hat „Jay Asher […] es weder sich noch seinen Figuren leicht gemacht. Das ist vielleicht das Geheimnis, weshalb das Buch von Hand zu Hand wanderte.“ Ich habe den Roman gelesen und fand seinen Einfluss erschreckend. Er ist aufwühlend und bedrückend und lässt einen auch Tage, nachdem man das Buch aus der Hand gelegt hat, nicht los.

Daher sollte man die Serie vielleicht eher zum Anlass nehmen, der weiteren Empfehlung der Fachgesellschaften zu folgen und proaktiv mit Jugendlichen über die Serie zu sprechen, sie eventuell in einem geschützten Setting gemeinsam anzusehen und zu diskutieren. Außerdem sollten effektive Strategien zum Erkennen und Umgang mit Traumata, Depressionen und suizidalen Krisen aufgezeigt und auf bestehende Hilfsangebote aufmerksam gemacht werden.

 

Anonyme und kostenlose Hilfsangebote

Telefonseelsorge rund um die Uhr: 0800/1110111 oder 0800/1110222

Kinder- und Jugendtelefon Nummer gegen Kummer : 116111

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