Eine Ketoazidose zählt zu den kritischen unerwünschten Ereignissen, die unter einer Pharmakotherapie auftreten können. Eine Metaanalyse zeigt, welche Arzneimittel hier ein größeres Risikopotenzial bergen.
Große Datenanalyse
Dazu wurde eine retrospektive Metaanalyse auf Basis der Datenbank des Adverse Event Reporting System (FAERS) der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) – und damit der weltgrößten Datenbank zur Pharmakovigilanz – durchgeführt. Die Studienautoren werteten insgesamt über 22,3 Mio. Berichte über unerwünschte Ereignisse aus; 6977 davon betrafen eine Ketoazidose.
Untersucht wurde, zu welchen Substanzen am häufigsten eine Ketoazidose dokumentiert war. Dabei schauten sich die Forscher sowohl die absoluten Zahlen als auch das relative Risiko (Reporting Odds Ratio) verschiedener Wirkstoffe an, also die Häufigkeit einer Ketoazidose im Verhältnis zu diesem Ereignis in sämtlichen gelisteten Arzneimitteln. Eine weitere Analyse betrachtete die Veränderungen der Ereignishäufigkeit im Laufe der Medikationsdauer.
Top 5 der Auslöser
Am häufigsten erfolgten entsprechende Meldungen unter Metformin (1288 Berichte), Quetiapin (1258 Berichte), Empagliflozin (1234 Berichte), Canagliflozin und Dapagliflozin (beide je 655 Berichte). Bei der Auswertung des relativen Risikos lag das höchste Ketoazidose-Risiko bei Dapagliflozin, Dapagliflozin/Saxagliptin, dem in Japan zugelassenen Ipragliflozin, Ertugliflozin/Sitagliptin und Empagliflozin vor.
Auf Medikamentenklassen bezogen zeigten SGLT2-Hemmer wie Dapagliflozin und Empagliflozin das höchste Risiko für eine medikamentenassoziierte Ketoazidose. Platz Zwei ergab sich für psychotrope Substanzen wie Quetiapin.
Auch die Inzidenzhäufigkeit unter Langzeiteinnahme wurde untersucht. Demnach veränderten sich die Ketoazidose-Ereignisse unter Quetiapin, Olanzapin, Aripiprazol, Pembrolizumab, Empagliflozin/Linagliptin und Nivolumab nicht. Anders bei Tirzepatid und Alpelisib: Hier stieg die medikamenteninduzierte Häufigkeit während der Medikationsdauer allmählich. Im Gegensatz dazu konnten die Forscher unter Empagliflozin und Canagliflozin eine Risikosenkung feststellen.
Problem: Nicht immer erwähnt
Außerdem brachte die Analyse zutage, dass nicht bei allen Arzneimitteln mit potenziellem Risiko für eine Ketoazidose dies auch in der Gebrauchsinformation steht. Nur für 14 Wirkstoffe waren entsprechende Hinweise vorhanden. Zu den 36 ohne Warnung gehörten auch Metformin, Quetiapin, Vildagliptin und Saxagliptin, also diesbezüglich auffällige Substanzen. In deutschen Fachinformationen wird eine Ketoazidose eher als Kontraindikation, nicht als mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkung aufgeführt.
Die Studienautoren erhoffen sich durch ihre Ergebnisse daher nicht nur eine Unterstützung für die klinische Medikamentenüberwachung, sondern auch eine Überarbeitung der Packungsbeilagen.
Quelle
Du P, Chen X, Xu Y, Zhou Y, Gao H. Drug-Associated Ketoacidosis: A Comprehensive Disproportionality Analysis Based on the FAERS Database, Diabetes Obes Metab.2026;28(7):5893–5906. doi:10.1111/dom.70790.
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