Schlechtere Prognosen durch Cannabis bei Koronarsyndrom?

Cannabiskonsum ist unter jungen Erwachsenen keine Seltenheit. Neuen Daten zufolge kann dieser im Zusammenhang mit akutem Koronarsyndrom zu schlechteren Langzeitprognosen führen.

Die Nutzen-Risiko-Frage

Seit dem 1. April 2024 ist auf Grundlage des Cannabisgesetzes der Konsum von Cannabis für Volljährige eingeschränkt legal. Schon zuvor, aber auch durch die Legalisierung stieg der Konsum der psychoaktiven Droge in den letzten Jahren immer weiter an. Insbesondere den beiden enthaltenen Cannabinoiden Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) werden verschiedene therapeutische Wirkungen zugeschrieben. Gleichzeitig sind viele Fragen zu unerwünschten Wirkungen, beispielsweise zu negativen Kurzzeitfolgen oder zu Langzeitfolgen insbesondere bei spezifischen Personengruppen, noch unbeantwortet.

Eine retrospektive Kohortenstudie aus Frankreich sollte Aufschluss über den Zusammenhang von Cannabiskonsum bei Klinikaufnahme junger Patienten mit akutem Koronarsyndrom (AKS) und deren Langzeitprognose geben.

Akutes Koronarsyndrom und Cannabis: Verträgt sich das?

Daten von insgesamt 188 Patienten im Alter von 18 bis 45 Jahren waren Teil der Auswertung. Alle wurden zwischen Januar 2010 und März 2025  aufgrund eines AKS auf die kardiologische Intensivstation aufgenommen. Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie waren ein kürzlicher Konsum von Tabak oder Cannabis und vorhandene Cannabis-Testergebnisse in den drei Tagen nach der stationären Aufnahme. Entsprechend dem Ergebnis des Urintests wurden die Patienten in zwei Studiengruppen eingeteilt: 41% der Patienten waren Cannabiskonsumenten (CK) und 59% waren Nicht-Konsumenten (NK).

Zur Beurteilung des Zusammenhangs wurden schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (SKE) als primärer Endpunkt festgelegt. Dies beinhaltete Tod, Schlaganfall, erneute Einweisung wegen eines Myokardinfarkts, anhaltende ventrikuläre Arrhythmie oder Ereignisse im Zusammenhang mit Herzinsuffizienz. Ein Follow-up erstreckte sich bis zu sechs Jahre, betrug durchschnittlich jedoch 2,9 Jahre.

Konsumenten haben erhöhtes Risiko

Während des Follow-up trat in der CK-Gruppe bei 16,9% und in der NK-Gruppe bei 8,1% der Patienten mindestens ein SKE auf. Die Kaplan-Meier-Überlebenskurven unterschieden sich signifikant und es konnte für Cannabiskonsum ein höheres Risiko für SKE berechnet werden (Hazard Ratio 2,52; 95%-Konfidenzintervall 1,05–6,02). Darüber hinaus wurden bei CK-Patienten höhere Spitzenwerte des Proteins Troponin, einem wichtigen Marker für Myokardinfarkte, und der Leukozytenzahl gemessen. Auch wurde eine postprozedurale Antikoagulation häufiger durchgeführt.

Cannabiskonsum sollte bei Therapie berücksichtigt werden

Wie die Studiendaten zeigen, ist bei jungen Erwachsenen mit AKS, über einen Zeitraum von sechs Jahren betrachtet, das Risiko, SKE zu erleiden, um das 2,5-Fache erhöht. Die Autoren der Studie argumentieren deshalb unabhängig von Einschränkungen, die das Studiendesign mit sich bringt, dass Cannabiskonsum bei kardiovaskulären Erkrankungen als Einflussfaktor für die Therapie berücksichtigt werden sollte.

Quelle

Martin N, Beyls C, Zeitouni M, et al. Cannabis use among young adults with acute coronary syndrome: impact on initial presentation and long-term prognosis. Heart. Published online October 31, 2025. doi:10.1136/heartjnl-2025-326777.

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