Wie geht Schwangerschaftsverhütung bei Diabetes? Neben dem Ziel, das kardiovaskuläre Risiko gering zu halten, lohnt ein Blick auf günstige Stoffwechseleffekte unterschiedlicher Präparate.
Mehr Diabetikerinnen, mehr Beratungsbedarf
In Deutschland gibt es etwa 500.000 Patientinnen mit Diabetes im reproduktiven Alter zwischen 15 und 49 Jahren, Prävalenz steigend. Daraus ergibt sich ein deutlicher Handlungs- und Beratungsbedarf, sagte Prof. Alexander Mann, Frankfurt, in seinem Vortrag im Rahmen der Diabetes Herbsttagung 2025.
Hormone und Glucosestoffwechsel
Hormonelle Veränderungen beeinflussen den Insulinbedarf. So hat Progesteron, vorwiegend in der zweiten Zyklushälfte ausgeschüttet, eine antiinsulinäre Wirkung. In dieser Zeit steigt der Insulinbedarf also an. Gestagene wirken an unterschiedlichen Steroidrezeptoren und verändern den Glucosestoffwechsel dahingehend, dass sie die Glucosetoleranz reduzieren und die Insulinresistenz erhöhen. Mann betonte, dass sie jedoch bei Stoffwechselgesunden nicht das Risiko für das Eintreten eines manifesten Diabetes erhöhen.
Es gilt also bei Patientinnen mit Diabetes, Präparate auszuwählen, die keine Partialwirkung auf den Glucosehaushalt haben und für sie entsprechend günstig sind. Dazu zählen beispielsweise Levornorgestrel, Dioenogest oder Drospirenon. Gleiches gelte im Übrigen für die Menopausetherapie. Weitere nutzbare Effekte bei der Präparatauswahl sind für Patientinnen mit vorliegendem Hirsutismus oder (ehemaligem) polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS) Wirkstoffe mit antiandrogener Wirkung wie Dioenogest oder Drospirenon. Weiterhin kann bei Ödemneigung die antimineralocorticoide Wirksamkeit von Drospirenon genutzt werden.
Mann bestätigte aus persönlicher Erfahrung, dass diese Effekte genutzt werden können und sollten. Unter den nichthormonellen Verhütungsmethoden gestaltet sich lediglich die natürliche Familienplanung mittels Zervixschleim- und Temperaturbeobachtung bei einer Diabeteserkrankung schwieriger, weil bei diesen Frauen häufig Zyklusschwankungen auftreten.
Was sagen Leitlinie und WHO?
Laut S3-Leitlinie zur hormonellen Kontrazeption erhöhen kombinierte Kontrazeptiva, auch in parentaler Anwendung, das Risiko für eine venöse Thromboembolie (VTE) signifikant. Frauen mit einem erhöhten VTE-Risiko sollen demnach keine Kombipräparate erhalten.
Kardiovaskuläre Erkrankungen sind die häufigsten Begleiterkrankungen, die mit Diabetes mellitus assoziiert sind. Eine Abschätzung der Komorbiditäten ist Mann zufolge unerlässlich im Entscheidungsprozess zu kontrazeptiven Methoden. Liegt bei einer Diabetikerin eine Herz-Kreislauf-Erkrankung vor, ist dies eine Kontraindikation für kombinierte Hormonpräparate. Auch ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung, aber bei weiteren Risikofaktoren wie Hypertonus, Rauchen oder Hyperlipidämie, sollten ebenfalls bevorzugt keine kombinierten Hormonpräparate Anwendung finden. Gegen orale Gestagen-Monopräparate spricht bei diesen Patientinnen nichts, so Mann – mit Ausnahme der Dreimonatsspritze, die durch das hoch dosierte Gestagen negative Auswirkungen auf die Blutfettwerte haben kann.
Die WHO fasst ihre Empfehlungen zur Kontrazeption bei Diabetes mellitus in einem Schema zusammen. Demnach sind bei einem vorausgegangenem Gestationsdiabetes alle Methoden einsetzbar. Das Kupfer-Intrauterinpessar (Cu-IUP, „Kupferspirale“) erhält hier eine positive Bewertung für alle Diabetesformen. Bei bestehenden Komplikationen spricht sich auch die WHO tendenziell gegen kombinierte Präparate aus.
Quelle
Prof. Dr. med. Alexander Mann. Kontrazeption bei Diabetes. Diabetes Herbsttagung 2025 am 8. November 2025.
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