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Essstörungen sind kein „Frauenthema“

Essstörungen äußern sich bei Männern anders als bei Frauen und bleiben oft unentdeckt. Für eine Früherkennung und Behandlung sollten Fachpersonen sensibilisiert werden.

Männer leiden doppelt

Die Zahl der Behandlungen von Kindern und Jugendlichen mit Essstörungen hat sich von 2003 bis 2023 verdoppelt, so die Daten des statistischen Bundesamts. Noch zu häufig werden Essstörungen als „weibliche Erkrankung“ abgestempelt. Doch der Schein trügt: Neueren Untersuchungen zufolge könnten Männer etwa jeden vierten klinischen Fall ausmachen, erläuterte Prof. Dr. Georgios Paslakis, Bochum. Zu oft würden sie jedoch zögern, Hilfe in Anspruch zu nehmen. So leiden sie einerseits unter der psychischen Störung per se, andererseits unter der vermeintlichen Annahme, die Erkrankung wäre ein „weibliches Problem“. Diese Missverständnisse bestehen teilweise auch unter Fachleuten, was die Diagnose erschwert.

Geschlechtsspezifische Symptome

Während Frauen häufig nach Schlankheit streben, äußern sich Essstörungen bei Männern eher durch ein übermäßiges Streben nach Muskularität. Diese „Muskeldysmorphie“ wird beispielsweise durch übermäßiges Krafttraining, Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln einschließlich anaboler Steroide, strenge Essenspläne oder Nahrungsrestriktion begleitet. Dabei üben „ideale“ männliche Körper, wie sie beispielsweise auf sozialen Medien gezeigt werden, einen enormen Druck auf junge Männer aus.

Sensibilisierung wichtig

Für eine Früherkennung der Essstörungen ist es wichtig, dass Fachpersonen auch Männer regelmäßig nach Essstörungen fragen und nach Wegen suchen, die Therapiebereitschaft zu erhöhen. An der psychosomatischen Universitätsklinik an der Ruhr-Universität Bochum wurde zu diesem Zweck ein kostenloses Training für Fachpersonen entwickelt.

Quelle

Online-Pressekonferenz anlässlich des Kongresses für Adipositas und Essstörungen 2025 am 10. September 2025.

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Pixel-Shot – stock.adobe.com