Infektionen der oberen Atemwege und damit einhergehende Symptome wie Fieber sind häufige pädiatrische Leiden. Einer kleinen mailändischen Studie nach könnten Probiotika die Fieberdauer bei derartigen Infektionen verkürzen.
Nutzen umstritten
In den letzten Jahrzehnten sind Probiotika mehr und mehr in den Fokus gerückt. Sie werden insbesondere zur Linderung gastrointestinaler Symptome, beispielsweise bei einer parallelen Antibiotika-Gabe eingesetzt. Die Meinungen sind jedoch kontrovers, die Evidenz Experten nach begrenzt. Studien deuten einen Zusammenhang zwischen Darmmikrobiom und Entzündungsprozessen bzw. Immunreaktionen an. Daher bestehen Vermutungen, dass Probiotika auch bei Infektionen positive Effekte zeigen könnten. Diese Hypothese wurde in einer aktuellen Studie aus Mailand untersucht.
Bakterien gegen Fieber?
In die randomisierte klinische Studie wurden 128 pädiatrische Patienten mit einer Infektion der oberen Atemwege und mindestens 38,5 °C Fieber eingeschlossen, die in einer pädiatrischen Notaufnahme in Mailand vorstellig wurden. Das Alter lag zwischen 28 Tagen und vier Jahren. Die Patienten erhielten über 14 Tage entweder eine tägliche Dosis von 0,5 ml einer probiotischen Mischung (n = 63), die als Sticks oder Tropfen eingenommen wurden, oder Placebo (n = 65). Die probiotische Mischung enthielt Bakterien der Gattungen Bifidobacterium und Lactobacillus (Bifidobacterium breve M-16V, Bifidobacterium lactis HN019 und Lactobacillus rhamnosus HN001). Die Behandlung war gegenüber den Patienten, Eltern bzw. Betreuungspersonen und Prüfern verblindet. Etwa ein Viertel der Kinder nahmen zum Studienaufnahme-Zeitpunkt Antibiotika ein. Primärer Endpunkt war die Fieberdauer in Tagen.
Kinder unter Placebo litten durchschnittlich fünf Tage unter Fieber, unter Probiotika waren es hingegen durchschnittlich drei Tage, so die Ergebnisse der Intention-to-treat-Analyse (adjustiertes Risk-Ratio 0,64). Bezüglich unerwünschter Ereignisse gab es hingegen keine signifikanten Unterschiede der beiden Studienarme. Sie umfassten Diarrhö, Obstipation und Abdominalschmerzen.
Veränderte Genexpression als Mechanismus vermutet
Den Autoren zufolge unterstreichen die Studienergebnisse vermutete immunmodulatorische Effekte von Probiotika. So deuten vergangene Studien beispielsweise an, dass Bakterien der Gattungen Bifidobacterium und Lactobacillus die Expression von Interleukin 1 und 6 sowie des Tumornekrosefaktors modulieren, was die Effekte auf die Fieberdauer erklären könnte. Die Aussagekraft der Studienergebnisse wird jedoch durch einige Limitationen eingeschränkt. So gab es z. B. keine Unterscheidung in spezifische Infektionskrankheiten oder in virale und bakterielle Ursprünge. Zur Verzerrung könnte weiterhin beigetragen haben, dass die Körpertemperatur der Kinder von Eltern oder Betreuungspersonen zuhause gemessen wurde.
Quelle
Bettocchi S, et al. Probiotics and fever duration in children with upper respiratory tract infections: a randomized clinical trial. JAMA Netw Open 2025;8:e250669. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.0669.
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