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Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko: Hormonspirale überlegen

Immer wieder wird das Risiko arteriell thrombotischer Ereignisse bei hormoneller Verhütung diskutiert. Einer dänischen Studie nach birgt die Hormonspirale das geringste Risiko. Insgesamt scheint das absolute Risiko jedoch auch für Kombipräparate verhältnismäßig niedrig zu sein.

Pille immer unbeliebter

Die „Pille“ hat als hormonelles Kontrazeptivum in den letzten Jahren an Beliebtheit verloren. Gründe dafür liegen zum Teil in der zunehmend kritischen Betrachtung hormoneller Verhütungsmethoden. So stimmten in einer BZgA-Umfrage aus 2023 ganze 61% der Frauen und Männer zwischen 18 und 49 Jahren der Aussage zu, dass die hormonelle Verhütung „negative Auswirkungen auf Körper und Seele“ hat. Immer wieder wird unter diesem Aspekt neben venösen Thromboembolien auch das erhöhte Risiko arteriell thrombotischer Ereignisse wie Schlaganfälle und Myokardinfarkte diskutiert. Eine separate Risikoabschätzung der verschiedenen Hormonpräparate kann anhand der aktuellen Datenlage allerdings nicht getroffen werden. Forscher einer groß angelegten dänischen Studie haben sich dem nun angenommen.

Geringstes Risiko bei Hormonspirale

In die prospektive Kohortenstudie aus Dänemark wurden insgesamt 2.025.691 Frauen zwischen 15 und 49 Jahren im Zeitraum 1996 bis 2021 eingeschlossen. Ausschlusskriterium war eine Vorgeschichte mit arterieller oder venöser Thrombose, Krebs, Endometriose sowie weiterer Vorerkrankungen.

Im Rahmen der Analyse traten 4730 ischämische Schlaganfälle und 2072 Myokardinfarkte auf. Daraus wurde die standardisierte Rate pro 100.000 Personenjahren für verschiedene Verhütungsmethoden berechnet. Folgende Raten pro 100.000 Personenjahre ergaben sich für ischämischen Schlaganfall bzw. Myokardinfarkt:

  1. Kombinierte orale Kontrazeptiva (Estrogen-Gestagen-Pille): 39 bzw. 18
  2. Kombinierte vaginale Kontrazeptiva (Vaginalring): 46 bzw. 49
  3. Kombinierte transdermale Kontrazeptiva (Hormonpflaster): 17, keine Angaben für Myokardinfarkte
  4. Orale Gestagen-Präparate: 33 bzw. 13
  5. Gestagen-Intrauterinsysteme: 23 bzw. 11
  6. Gestagen-Implantate: 28, keine Angaben für Myokardinfarkte
  7. Gestagen-Injektionen: 24, keine Angaben für Myokardinfarkte
  8. Patientinnen ohne hormonelle Verhütung: 18 bzw. 8

Bei Anwendung kombinierter Kontrazeptiva war sowohl das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall als auch für einen Myokardinfarkt erhöht. Für die kombinierten oralen Kontrazeptiva war das Risiko beider Ereignisse beispielsweise etwa doppelt so hoch wie für Patientinnen ohne Verhütung. Weiterhin war das Risiko in dieser Gruppe abhängig von der eingesetzten Estrogenmenge (20 µg vs. 30–40 µg). Für den Vaginalring lag die adjustierte Rate Ratio [aRR] sogar bei 2,4 (ischämischer Schlaganfall) bzw. 3,8 (Myokardinfarkt). Und auch für die oralen Gestagen-Präparate war das Risiko beider Ereignisse erhöht (aRR 1,6 bzw. 1,5). Lediglich für die Gestagen-Intrauterinsysteme konnte kein erhöhtes Risiko nachgewiesen werden (aRR 1,1).

Absolutes Risiko weiterhin gering

Insgesamt weisen die Autoren auf das weiterhin geringe absolute Risiko arteriell thrombotischer Ereignisse für Frauen im reproduktiven Alter hin. Dennoch sollte das erhöhte Risiko bei der Nutzen-Risiko-Betrachtung der verschiedenen Präparate berücksichtigt werden, so die Autoren.

Quelle

Yonis H, et al. Stroke and myocardial infarction with contemporary hormonal contraception: real-world, nationwide, prospective cohort study. BMJ 2025;388:e082801. doi: 10.1136/bmj-2024-082801.

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