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Zentralnervöse Ereignisse durch TNF-Inhibitor-Therapie

Die Prävalenz von Autoimmunerkrankungen liegt weltweit bei rund 10%. Eine Therapieoption stellen Antikörper gegen den Tumornekrosefaktor alpha dar. Ergebnisse einer Metaanalyse zeigten nun, dass eine Therapie mit einem TNF-α-Inhibitor mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen des zentralen Nervensystems einhergeht.

Dritthäufigste Krankheiten

Autoimmunerkrankungen sind nach Herzkreislauferkrankungen und Krebs global die am dritthäufigsten auftretenden Krankheiten. 1998 wurde in den USA mit dem Fusionsprotein Etanercept der erste Inhibitor des Tumornekrosefaktors (TNF) alpha zugelassen. Mittlerweile stehen zusätzlich die Antikörper Adalimumab, Certolizumab (Antikörperfragment), Golimumab und Infliximab zur Verfügung. Aktuell werden sie eingesetzt zur Behandlung von verschiedenen Arthritis-Formen, Morbus Bechterew, inflammatorischen Darmerkrankungen, Psoriasis, Uveitis und Hidradenitis suppurativa.

Fälle schwerer unerwünschter Ereignisse von inflammatorischen Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) nach einer Therapie mit TNF-α-Inhibitoren wurden berichtet und bereits einige Studien zu diesem Thema durchgeführt (Kunchok et al. 2020, De Felice et al. 2014, Avasarala et al. 2021, Remalante-Rayco et al. 2024). Die Aussagekraft der Ergebnisse ist jedoch umstritten. Einerseits wurden in den Studien uneinheitliche relative Risiken für ZNS-Erkrankungen beobachtet, andererseits muss der Einfluss der zugrunde liegenden Krankheit auf die ZNS-Erkrankungen berücksichtigt werden.

36% erhöhtes Risiko

Die Studienautoren durchsuchten die Datenbanken PubMed, Embase und Cochrane Library nach observativen Studien, die die Assoziation zwischen TNF-Inhibitoren und inflammatorischen ZNS-Ereignissen untersuchten. Letztendlich schlossen sie 18 Publikationen in ihre Auswertung ein.
Die primäre Analyse mit elf eingeschlossenen Studien ergab ein gepooltes relatives Risiko für inflammatorische ZNS-Ereignisse von 1,36 für TNF-Inhibitoren gegenüber konventionellen Therapien. Für demyelinisierende und nicht-demyelinisierende Erkrankungen ergaben sich für die TNF-Therapie relative Risiken von 1,38 und 1,24. Sensitivitätsanalysen zeigten, dass die Ergebnisse robust und nicht übermäßig beeinflusst waren.

Die Ergebnisse der Analyse zeigten für die Anwendung von TNF-α-Inhibitoren bei Autoimmunerkrankungen ein 36% erhöhtes Risiko für das Auftreten von inflammatorischen ZNS-Ereignissen, hauptsächlich verursacht durch demyelinisierende Reaktionen. Zusätzlich konnte gezeigt werden, dass das Risiko unabhängig von der zugrund eliegenden Erkrankung und dem verwendeten Inhibitor ist.

Mechanismus unklar

Warum die inflammatorischen Reaktionen auftreten, konnte nicht abschließend geklärt werden. Als mögliche Mechanismen nennen die Studienautoren einen eingeschrängten Übergang der Inhibitoren ins ZNS aufgrund der Blut-Hirnschranke, eine erhöhte Anzahl autoreaktiver T-Zellen oder veränderte nachgeschaltete Zytokinreaktionen.

Die Autoren schließen, dass Patienten unter TNF-α-Therapie sorgfältig überwacht werden und frühzeitig Interventionen bei Anzeichen inflammatorischer ZNS-Ereignisse ergriffen werden sollten.

Quelle

Xie W, et al. Risk of inflammatory central nervous system diseases after tumor necrosis factor-inhibitor treatment for autoimmune diseases: a systematic review and meta-analysis. JAMA Neurol published online October 21, 2024.

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