Eisensubstitution: Einnahmeintervall nicht relevant für Therapieerfolg

Bei Eisenmangelanämie sind orale Eisenpräparate Mittel der Wahl. Trotz verbreiteter Anwendung der Präparate scheint die Frage nach dem Einnahmeintervall unbeantwortet. Die Ergebnisse einer im JAMA veröffentlichten Studie zeigen nun: Jeder soll es nehmen, wie es ihm passt.

Geringe Bioverfügbarkeit oraler Präparate

Nimmt man orale Eisenpräparate ein, werden bei gleichzeitiger Nahrungsaufnahme nur 2–13% und bei nüchterner Einnahme 5–28% der Dosis resorbiert. Einerseits wird empfohlen, hohe Eisendosen zwei- bis dreimal täglich einzunehmen. Andererseits steigt bei erhöhter Eisenresorption die Hepcidin-Serumkonzentration, welche wiederum die Eisenresorption im Darm hemmt.

Leitlinie: Einnahmeintervall nach Schweregrad

Die S1-Leitlinie „Eisenmangelanämie“ empfiehlt bei oraler Eisensubstitution aufgrund eines alimentären Eisenmangels eine alternierende Einnahme (jeden 2. Tag) bei leichten bis mäßigen Mangelzuständen und eine tägliche Einnahme bei schwerem Mangel.
Präparate der Wahl sollten Eisen(II)-sulfat oder -fumarat enthalten. Bei Unverträglichkeit wird Eisen(III)-hydroxid-Polymaltose empfohlen.

Kohortenstudie mit US-Veteranen

Für die retrospektive Kohortenstudie screenten die Studienautoren die CWD-Datenbank (Corporate Data Warehouse) des US-amerikanischen Department of Veterans Affairs nach Veteranen mit Eisenmangelanämie. Sie sollten zwischen 2009 und 2019 zum ersten Mal eine orale Eisensubstitution verordnet bekommen haben, welche 324 oder 325 mg Eisensulfat, -gluconat oder -fumarat enthielt. Außerdem musste innerhalb von 120 Tagen mindestens eine Folgeverordnung erfolgt sein und zwischen Tag 30 und 180 nach Verschreibung der Hb-Wert erneut gemessen worden sein.

Eine Eisenmangelanämie wurde definiert als:

  • Hämoglobin (Hb) < 12 g/dl und
  • Transferrinsättigung < 20% oder Ferritin < 50 ng/ml

Weiter wurde unterschieden in Patienten mit normaler (Glomeruläre Filtrationsrate [GFR] > 60 ml/min/1,73 m2) oder eingeschränkter Nierenfunktion (GFR ≥ 15 ml/min/1,73 m2 und < 60 ml/min/1.73 m2).

Insgesamt wurden 71.677 US-Veteranen in die Auswertung eingeschlossen, davon waren 88,2% Männer. Die Einteilung der Patienten erfolgte nach Dosierungsintervall:

  • Eine Dosis am Tag
  • Zwei bis drei Dosen am Tag
  • Alternierende Einnahme (jeden zweiten Tag eine Dosis)

83,7% nahmen ein Eisenpräparat mit Eisensulfat, die übrigen 16,3% erhielten Eisengluconat oder -fumarat.

Größter Hb-Wert-Anstieg bei mehrmals täglicher Einnahme

Bei Patienten mit normaler Nierenfunktion und einer einmal täglichen Einnahme stieg der Hb-Wert innerhalb von 30 Tagen um durchschnittlich 0,27 g/dl gegenüber dem Ausgangswert. Bei mehrmals täglicher Einnahme lag der Anstieg bei 0,08 g/dl gegenüber der einmal täglichen Einnahme. Bei Patienten mit alternierender Einnahme waren es -0,01 g/dl verglichen zur einmal täglichen Einnahme.

In der Patientengruppe mit eingeschränkter Nierenfunktion stieg der Hb-Wert bei einmal täglicher Einnahme um 0,19 g/dl, bei mehrmals täglicher Einnahme um 0,06 g/dl und bei alternierender Einnahme um -0,03 g/dl verglichen mit der einmal täglichen Einnahme.

Mit den vorhandenen Messdaten erstellen die Autoren statistische Modelle, um die Änderungen der Parameter nach 90 und 180 Tagen vorherzusagen. Diese zeigten nach dem längeren Zeitraum ebenfalls keinen Unterschied zwischen den Patientengruppen.

Einnahmeintervall nach Präferenz des Patienten

Die Ergebnisse zeigen, dass jedes Therapieregime zu einem Anstieg der Eisenparameter führt und es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Dosierungsintervallen gibt. Daher schließen die Autoren, dass die Einnahme der Eisenpräparate nach Präferenz des Patienten erfolgen soll.

Die Studienlage und Empfehlungen zum Einnahmeintervall von Eisenpräparaten sind heterogen. Als Stärken dieser Studie sehen die Autoren das große Patientenkollektiv und die lange Nachbeobachtungszeit von sechs Monaten. Dennoch bleibt zu berücksichtigen, dass häufiger junge Frauen von einer Eisenmangelanämie betroffen sind, das Teilnehmerkollektiv ist dieser Studie jedoch älter und männlich (mittleres Alter 68,5 Jahre, 88,2% Männer) war.

Quelle

Patel N, et al. Optimal oral iron therapy for iron deficiency anemia among US veterans. JAMA Netw Open. 2024;7(5):e2414305. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.14305

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