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Juckreiz unter Opioiden

Eine Therapie mit Opioiden kann bei betroffenen Patienten Juckreiz auslösen. Dr. Silvia Maurer, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS), stellte beim deutschen Schmerz- und Palliativtag 2024 Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des opioidinduzierten Pruritus vor.

μ-Opioidrezeptor als Hauptschuldiger

Erhalten Patienten orale Opioide, ist Juckreiz als Nebenwirkung mit 1 bis 5% relativ selten. Bei der parenteralen oder auch epiduralen und intrathekalen Anwendung sind dagegen viele Patienten betroffen (bis zu 85% bzw. bis zu 90%). Bei lipophilen Opioiden wie Fentanyl setzt der Juckreiz schneller ein als bei hydrophilen Wirkstoffen wie Morphin, er hält aber auch kürzer an.

Wie es zu dem Juckreiz kommt, ist nicht abschließend geklärt. Dieser scheint aber vor allem durch Agonismus am μ-Opioidrezeptor vermittelt zu werden. Bei subkutaner Applikation wirkt beispielsweise Morphin direkt auf Mastzellen, die daraufhin Histamin ausschütten. Starkes Verlangen nach Kratzen oder Reiben ist die Folge. Agonisten an δ- und κ-Opioidrezeptoren lösen keinen Juckreiz und kein Kratzverhalten aus. Selektive κ-Opioidrezeptoragonisten können den Juckreiz sogar unterdrücken.

Behandlung des Juckreizes unter Opioiden

Allgemeine Maßnahmen wie Mandelöl oder Waschungen mit verschiedenen Ölen, Pflanzenextrakten wie Kamille oder Schwarztee können gegen den Juckreiz helfen.

Medikamentös sind die Möglichkeiten begrenzt. Antihistaminika helfen gegen Quaddeln und können durch Sedierung die subjektive Wahrnehmung des Juckreizes lindern. Einfluss auf das Kratzverhalten haben sie jedoch nicht.

μ-Opioidrezeptorantagonisten wie Naloxon können zwar den Juckreiz mildern, schwächen aber auch de analgetische Wirkung des Opioids selbst. Selektive κ-Opioidrezeptoragonisten könnten zukünftig eine Option sein. Bisher gibt es jedoch keine zugelassenen Wirkstoffe bei opioidinduziertem Pruritus. Alternativ könnte Nalbuphin zur Therapie der Schmerzen zum Einsatz kommen, da es als partieller Antagonist an μ-Opioidrezeptoren und partieller Agonist an κ-Opioidrezeptoren seltener Juckreiz verursachen sollte.

Für Gabapentin ist die Wirkung gegen Pruritus verschiedener Ursachen (z.B. bei multipler Sklerose) belegt, bei opioidinduzierten Pruritus jedoch sind hohe Dosen von 1200 mg täglich notwendig, was wiederum verstärkt mit Nebenwirkungen verknüpft ist.

Anpassung der Opioid-Therapie

Des Weiteren sollte die Opioid-Therapie selbst im Blick behalten werden: Da der Juckreiz dosisabhängig auftritt, sollten die Opioide streng titriert werden. Durch eine multimodale Therapie können Opioide so weit wie möglich eingespart werden, so Maurer. In der Anästhesie können zusätzlich Lokalanästhetika in der perioperativen Phase gegeben werden, um den Juckreiz zu vermindern. Bei der oralen Opioid-Therapie im ambulanten Bereich bietet sich zudem die Rotation der Wirkstoffe an.

Quelle

Silvia Maurer. Opioide und Juckreiz. Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2024. Online 12. März 2024.