Eine Thiazid-induzierte Hyponatriämie scheint nicht so selten vorzukommen wie allgemein im „Waschzettel“ angegeben.
Wie selten ist selten?
Thiazid-Diuretika erhöhen die Natriumausscheidung und steigern die Diurese. Die üblichen Gebrauchsinformationen für diese Wirkstoffe stufen die Häufigkeit einer Thiazid-induzierten Hyponatriämie jedoch als unbekannt oder selten bis sehr selten ein. Demnach komme sie also bei weniger als einem von 10.000 bis 100 Anwendern vor.
Die Autoren einer dänischen Kohortenstudie verglichen bei 49.729 Thiazid-Neuanwendern den Anstieg der kumulativen Zweijahres-Inzidenz von Hyponatriämie (Natriumspiegel unter 130 mmol/l) bei der Anwendung von Thiazid-Diuretika (Bendroflumethhiazid [BFZ] und Hydrochlorothiazid plus ein Hemmer des Renin-Angiotensin-Systems [HCT-RASi]) mit der Häufigkeit unter nicht-thiaziden Antihypertensiva (Calciumkanalblocker [CCB] und RASi).
Höhere Inzidenz bei Thiaziden
Die Analyse ergab folgende Daten für eine kumulative Zweijahres-Inzidenz von Hyponatriämie: 3,83% für BFZ und 3,51% für HCT-RASi.
Die Risikounterschiede betrugen 1,35% (95%-Konfidenzintervall [KI] 1,04–1,66) zwischen BFZ und CCB und 1,38% (KI 1,01–1,75) zwischen HCT-RASi und RASi.
Eine weitere Beobachtung: Die Risikounterschiede waren bei höherem Alter und einer erhöhten Belastung durch Begleiterkrankungen ausgeprägter.
Abschließend folgerten die Studienautoren, dass das Risiko für eine Hyponatriämie höher war als in den Arzneimittelinformationen beschrieben. Dies traf insbesondere zu Beginn der Behandlung zu, vermehrt in den ersten 30 Tagen sowie in den darauffolgenden ersten Monaten nach Verschreibung.
Quelle
Andersson NW, Wohlfahrt J, Feenstra B, Hviid A, et al. Cumulative incidence of thiazide-induced hyponatremia: a population-based cohort study. Ann Intern Med. 2023 Dec 19. doi: 10.7326/M23-1989. Epub ahead of print. PMID: 38109740.