Lange Zeiten vor einem Bildschirm begünstigen Kurzsichtigkeit bei Kindern, erläuterte Prof. Dr. med. Norbert Pfeiffer, Mainz, bei einer Online-Pressekonferenz der Stiftung Auge. Abstinenz ist jedoch nicht der einzige Weg, dieser entgegenzuwirken.
Sieh, das Gute liegt so nah?
Unser Sehvermögen ist auf die Ferne ausgerichtet, für Naharbeit muss sich das Auge mehr anstrengen, erklärte Pfeiffer. Bei der Nahsicht muss sich der Ringmuskel, an dem die Linse aufgehängt ist, zusammenziehen, damit durch eine erhöhte Lichtbrechung nahe Objekte scharf auf der Netzhaut abgebildet werden.
Muss das Auge viel solcher Naharbeit leisten – zum Beispiel durch langes Schauen auf einen Bildschirm – reagiert es mit Längenwachstum, um den Muskel um die Linse zu entlasten. Die Folge ist Kurzsichtigkeit. Diese Formbarkeit des Auges bleibt bis ins junge Erwachsenenalter bestehen.
Dass dies jedoch nicht nur für Bildschirme gilt, sondern für Nahsicht allgemein, zeigen aktuelle Studien. Beispielsweise steigt das Risiko für Kurzsichtigkeit mit jedem Jahr, das Menschen in der Schule verbringen. So ist etwa ein Viertel der Hauptschulabsolventen kurzsichtig, aber bereits die Hälfte der Abiturienten, beim Hochschulabschluss steigt der Anteil noch einmal.
Je näher, desto schlechter
Für das Auge gilt ein Abstand von etwa fünf Metern bereits als Ferne. Ein Bildschirm in dieser Entfernung zu betrachten, sollte sich daher wenig auf die Entstehung von Kurzsichtigkeit auswirken. Überdies gibt es Hinweise, dass es umso problematischer ist, je näher das Auge am Bildschirm ist. Es deutet sich an, dass die Arbeit vor dem Computer weniger bedenklich ist als das ständige Starren auf ein Smartphone. Befindet sich der Computerbildschirm doch deutlich weiter entfernt.
Was darf man denn noch? Man darf alles, aber was ist sinnvoll?
Auch die Zeit spielt eine Rolle. Laut einer großen Metaanalyse mit 45 Studien zum Thema Kurzsichtigkeit ist eine Bildschirmzeit von einer Stunde pro Tag relativ unproblematisch. Danach steigt das Risiko steil an, um nach mehreren Stunden wieder ein Plateau zu erreichen.
Was tun?
Pfeiffer räumt ein, dass es sehr schwierig wäre, die Bildschirmzeit bei Kindern und Jugendlichen derart zu begrenzen. Es lohne sich aber, etwas zu tun. Dementsprechend sollten sich Eltern trotzdem bemühen, Regeln aufzustellen.
Denn Kurzsichtigkeit bedeutet nicht nur, eine Brille oder Kontaktlinsen tragen zu müssen, sie macht auch anfälliger für andere Erkrankungen wie Glaukom, Makuladegeneration, Netzhautablösung und die Unfallgefahr steigt ebenfalls.
Man sollte Jugendliche dazu bewegen, mehr nach draußen zu gehen, um einer Kurzsichtigkeit vorzubeugen. Es gebe Hinweise, dass ein Aufenthalt im Freien von mindestens zwei Stunden pro Tag das Risiko, kurzsichtig zu werden, verringert. Woran das liegt, sei jedoch noch nicht belegt. Denkbar wäre, dass Bewegung oder starkes Licht helfen können sowie den Blick in die Ferne schweifen zu lassen.
Der Junge muss an die frische Luft stimmt also!
Quelle
Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Mainz. Kinderaugen im digitalen Zeitalter – wie viel Bildschirmzeit ist zu viel? Online-Pressekonferenz der Stiftung Auge, 14. Mai 2025.
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