Eine eingeschränkte Nierenfunktion ist ein Risikofaktor für das Auftreten schwerwiegender UAW, vor allem für Blutungen und akutes Nierenversagen. Rund ein Viertel dieser UAW wären allerdings vermeidbar!
Erhöhtes UAW-Risiko bei Älteren und bei Polypharmazie
In klinischen Studien wird das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Arzneistoffen zu Beginn und im Verlauf einer Therapie analysiert. Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz werden von solchen Studien allerdings meist ausgeschlossen, da sie besonders anfällig für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) sind. Denn sowohl ein höheres Alter als auch Polypharmazie sind bei dieser Patientengruppe häufig. Damit ist auch das Risiko für UAW erhöht.
Auch erhöhtes UAW-Risiko bei Niereninsuffizienz per se?
Eine französische Arbeitsgruppe hat nun analysiert, ob eine moderat oder stark eingeschränkte Nierenfunktion, unabhängig vom Alter und Polypharmazie, mit einem erhöhten UAW-Risiko assoziiert ist.
Eingeschlossen wurden knapp über 3000 Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz aus einer großen Kohortenstudie (French Chronic Kidney Diesease-Renal Epidemiology and Information Network; CKD-REIN) im ambulanten Setting.
Die Patienten wurden im Median 4,7 Jahre nachbeobachtet. Bei 488 Patienten traten schwerwiegende UAW auf, von denen 467 einen, meist längeren, Krankenhausaufenthalt nach sich zogen. 30 Patienten starben aufgrund einer UAW. Fast ein Drittel der schwerwiegenden UAW (und 38% der Fälle mit Arzneimittel-induziertem akutem Nierenversagen) traten während des Krankenhausaufenthalts auf.
Mehr als ein Viertel der schwerwiegenden UAW vermeidbar
Über 27% der schwerwiegenden UAW wären vermeidbar oder potenziell vermeidbar gewesen. Am häufigsten waren Arzneimittel-induziertes akutes Nierenversagen oder Blutungen. Unter den vermeidbaren UAW waren die häufigsten Ursachen eine Verschreibung trotz vorhandener Kontraindikation oder eine zu hohe, nicht an die Nierenfunktion angepasste, Dosis.
Die Inzidenzrate für schwerwiegende UAW war bei Patienten mit einer geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) < 30 ml/min/1,73 m2 signifikant höher als bei Patienten mit einer höheren eGFR. Dies galt auch für UAW, die im Zusammenhang mit der Einnahme von Antikoagulanzien (Vitamin-K-Antagonisten und Heparin) standen. Bei den Inhibitoren des Renin-Angiotensinsystems war das Auftreten der UAW nicht von der eGFR abhängig.
Eingeschränkte Nierenfunktion ist Risikofaktor für schwerwiegende UAW
In dieser Studie war bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz eine niedrige eGFR-Rate ein entscheidender Risikofaktor für das Auftreten schwerwiegender UAW, darunter vor allem schwerwiegende Blutungen oder Arzneimittel-induziertes akutes Nierenversagen.
Auch Selbstmedikation beachten
4,5% der vermeidbaren UAW in dieser Studie waren auf eine Selbstmedikation zurückzuführen. Besonders Schmerzmittel spielen in der Selbstmedikation eine große Rolle. So auch in dieser Studie. Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten deshalb darüber aufgeklärt werden, welche Arzneimittel in der Selbstmedikation nicht infrage kommen. Auch sollte mit dem Hausarzt oder Apotheker besprochen werden, welche Arzneimittel an Krankheitstagen (z. B. mit Durchfall oder Erbrechen) eingenommen werden sollen oder nicht.
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