Zur Therapie der diabetischen peripheren Neuropathien wird α-Liponsäure weit verbreitet eingesetzt. Einen Konsens über die Wirksamkeit gibt es aber nicht. In einem im Januar 2024 veröffentlichten Cochrane-Review wurde die Effektivität der α-Liponsäure überprüft.
Hohe Prävalenz von DPN unter Diabetikern
Diabetische periphere Neuropathien (DPN) sind die meistverbreiteten Komplikationen bei Personen mit Diabetes mellitus Typ 1 und 2 und zugleich die häufigste Ursache für nichttraumatische Amputationen. Trotz der hohen Prävalenz sind aktuell keine effektiven Therapiemöglichkeiten vorhanden. Des Weiteren haben DPN einen großen Einfluss auf die körperliche Mobilität, Lebensqualität und Mortalität. Eine frühe Diagnose und Intervention sind notwendig, um die Progression der Neuropathien zu verlangsamen, denn ein gut eingestellter Blutglucose-Wert kann das Risiko für die Entstehung einer DPN senken. Bisher wird angenommen, dass α-Liponsäure (ALA) als Antioxidans endogene Antioxidanzien regenerieren und die Glucoseaufnahme stimulieren kann.
Kein Wirksamkeitsnachweis aufgrund fehlender Daten
Die in den Review eingeschlossen Studien zeigten nach 6 sowie 24 Monaten keine Änderung in den Symptomen und der Beeinträchtigung der Erkrankten in der Verum-Gruppe verglichen mit der Placebo-Gruppe. Weiter sollten auch die Lebensqualität und die Häufigkeit an DPN-assoziierten Komplikationen untersucht werden, allerdings gab es bis zum Zeitpunkt des Reviews keine Studien, die diese Endpunkte untersuchen. Daher schließen die Autoren, dass eine Therapie der DPN mit α-Liponsäure mit einer moderaten Sicherheit keine signifikante Wirkung auf die Symptome hat. Zudem schätzen die Autoren die Qualität der Evidenz sehr gering ein, da es in den Studien hohe Abbruchraten gab.
Quelle
Baicus C, et al. Alpha-lipoic acid for diabetic peripheral neuropathy. Cochrane Database Syst Rev 2024;1(1):CD012967.